Wenn Kirchen mit Lotto gewinnen


Seit 1991 flossen 2,5 Millionen Euro in „Notfallfonds“ zum Erhalt der Kulturgüter

Lübtheen/Rostock
(ska/cme). Die richtigen Zahlen: Allein seit 2014 hat die Landeslotteriegesellschaft über Mittel der GlücksSpirale 24 Projekte im Bereich der kirchlichen Denkmalpflege mit rund 721.000 Euro gefördert. Seit 1991 – dem Jahr als erstmalig die Losnummer der GlücksSpirale im Nordosten gezogen wurde – sind es sogar 2,5 Millionen Euro. Die durchschnittliche Ausstattung des „Notfallfonds“ für Kirchenbauprojekte, deren Finanzierung gefährdet ist, stieg von anfänglich rund 81.000 auf mittlerweile jährlich 88.000 Euro. Darüber hinaus bekommen der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW) und die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) beachtliche Zuwendungen aus den Lotterie-Erträgen der GlücksSpirale.

Beispiel Lübtheen: Bei der umfangreichen Sanierung der Kirche im Landkreis Ludwigslust-Parchim kam es im Jahr 2021 zu Mehrkosten aufgrund zusätzlich erforderlicher Leistungen und damit einer notwendig gewordenen Verlängerung der Gerüststandzeiten. „Fast alle angefragten Stiftungen waren nicht bereit sich zu beteiligen. Ohne die Zuwendung aus den Erträgen der Lotterie GlücksSpirale wäre die Finanzierung nicht abgesichert. Insgesamt flossen 35.000 Euro in unser Bauvorhaben. Dafür sind wir sehr dankbar“, so Markus Holmer. Der Lübtheener Gemeindepastor freute sich zudem heute (21. April), Dr. Ait Stapelfeld (Geschäftsführer Verwaltungsgesellschaft Lotto und Toto in Mecklenburg-Vorpommern mbH) und Kurt Reppenhagen (Fachbereichsleiter Bau, Mieten und Versicherungen Kirchenkreisverwaltung Mecklenburg) durch die frisch sanierte Kirche zu führen. Beide wollten sich vor Ort einmal informieren und zogen eine Bilanz des Fortuna-„Notfallfonds“ für die knapp 1.000 Kirchen in Mecklenburg-Vorpommern, die fast alle unter Denkmalschutz stehen.

Lübtheen

Vor der frisch sanierten Lübtheener Kirche: Pastor Markus Holmer, Kurt Reppenhagen und Dr. Ait Stapelfeld (v.l.). Foto: ELKM/C. Meyer


LOTTO Mecklenburg-Vorpommern unterstützt seit drei Jahrzehnten auch das Gemeinwohl

„LOTTO Mecklenburg-Vorpommern – zu 100 Prozent in Besitz des Landes – steht seit 1991 für Glück, Seriosität und Gemeinwohlorientierung sowie Spielen mit Verantwortung.“ Dies stellte Geschäftsführer Dr. Ait Stapelfeld seiner Bilanz gleich voran und skizzierte das LOTTO-Prinzip: „Von unseren Einnahmen werden u.a. rund 50 Prozent als Gewinne an die Spielteilnehmer:innen ausgeschüttet, 11 Prozent werden für Provisionen und Betriebskosten benötigt und 39 Prozent kommen dem Gemeinwohl in MV zugute.“ Konkret bedeutet die letztgenannte Zahl, dass rund 20 Millionen Euro jährlich als Lotteriesteuern an das Land fließen. Rund 22 Millionen Euro gehen als Zweckerträge in den Landeshaushalt zur Unterstützung sozialer, kultureller und sportlicher Projekte und Initiativen. „Zudem leiten wir rund 1,5 Mio. Euro Einnahmen der BINGO!-Umweltlotterie an die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung weiter“, rechnete Dr. Stapelfeld vor. Diese fördere mit der Summe Aktivitäten im Bereich Natur- und Umweltschutz, Umweltbildung, Entwicklungszusammenarbeit sowie entwicklungspolitische und interkulturelle Bildungsarbeit. „Nicht zuletzt stellen wird dann noch rund 750.000 Euro pro Jahr über die GlücksSpirale, u.a. für den Erhalt von Kirchen, zur Verfügung“, so der Geschäftsführer.

Wesentlicher Schub für gemeinnützige Vorhaben

Denn seit 1991 spielten Menschen aus Mecklenburg und Vorpommern für rund 73 Millionen Euro GlücksSpirale. Durchschnittlich rund 35 Prozent, insgesamt 27 Millionen Euro, flossen bis 2021 an die Mitspielenden in Form von Gewinnen zurück. „Der DOSB, die BAGFW und die DSD erhalten jeweils einen gleichen Anteil des Zweckertrages der GlücksSpirale“, so Dr. Stapelfeld und ergänzt: „Ein Achtel des Zweckertrages erhalten die Evangelischen Kirchen in MV, konkret der Kirchenkreis Mecklenburg und der Pommersche Evangelische Kirchenkreis für Kirchenbauprojekte, deren Finanzierungen nicht gesichert sind.“ Mehr als 20 Millionen Euro konnten in den vergangenen 31 Jahren in Mecklenburg-Vorpommern so an die vier genannten Begünstigten weitergegeben werden. Auf den Punkt gebracht heißt das für den Lotto-Geschäftsführer: „Die Förderung über die GlücksSpirale gibt gemeinnützigen Vorhaben und ehrenamtlichem Engagement einen wesentlichen Schub.“ Somit helfe jedes Los auch dem Gemeinwohl.

Objektförderung der Glücksspirale

Grafik: Verwaltungsgesellschaft Lotto und Toto in Mecklenburg-Vorpommern mbH


Jede zehnte Kirche noch immer akut gefährdet

Wie segensreich der „Notfallfonds“ für die Kirchen als bedeutende Kulturgüter ist, machte Kurt Reppenhagen aus der Kirchenkreisverwaltung Mecklenburg deutlich: „Wir zählen rund 1.000 Kirchen in MV, allein in Mecklenburg sind es 548 Dorf- und 81 Stadtkirchen, die die Landschaft unverwechselbar machen und fast alle unter Denkmalschutz stehen. Leider reichen die kirchlichen Finanzmittel allein nicht aus, um den gesamten Gebäudebestand zu erhalten und zu sanieren“, so der Fachbereichsleiter Bau. Insbesondere seit 1990 habe es zwar einen großen Schub gegeben. Dennoch sind in Mecklenburg insgesamt noch knapp 60 Kirchen akut gefährdet. Das ist statistisch gesehen jede zehnte Kirche.“ Im laufenden Jahr sollen im Kirchenkreis Mecklenburg insgesamt 104 Bauprojekte an Kirchen, Kapellen, Pfarr-und Gemeindehäusern begonnen oder fortgeführt werden. Dafür stünden insgesamt 13,5 Millionen Euro zur Verfügung. Die Ausfinanzierung der Projekte stellt für die Kirchengemeinden, die eine, sechs oder mehr denkmalgeschützte Kirchengebäude verwalten, laut Kurt Reppenhagen, stets eine „große Herausforderung dar“.

Das Budget speist sich allgemein betrachtet aus Fördergeldern von EU, Bund, Land, Landkreis und Kommunen bzw. Patronatsmitteln des Landes. Zuschüsse kommen vom Kirchenkreis Mecklenburg, aber ebenso von vielen Stiftungen, wie etwa der Stiftung „Kirchliches Bauen in Mecklenburg“ (unterstützt durch die Partnerkirche in Bayern), oder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Genauso bedeutend sind Spenden, die Eigenmittel der jeweiligen Kirchengemeinden und die finanzielle Unterstützung, die von den mittlerweile 128 mecklenburgischen Kirchbau-Fördervereinen für die Rettung der Sakralbauten kommen.

Finanzierungslücken können unkompliziert geschlossen werden

„Ebenso können erfreulicherweise Erträge der Lotterie GlücksSpirale eingesetzt werden, besonders dort, wo geplante Zuwendungen ausfallen oder unerwartet Mehrkosten entstehen, so wie das Beispiel Lübtheen zeigt“, unterstrich Kurt Reppenhagen. Das passiere gar nicht so selten und man stehe jedes Mal vor großen Problemen, wenn eine Finanzierungslücke klaffe. Konkret flossen seit 2014 rund 704.000 Euro Lotteriemittel in 16 Projekte im Kirchenkreis Mecklenburg und 8 im Pommerschen Evangelischen Kirchenkreis. „Das sind hier durchschnittlich zwei und dort eine Kirchensanierung pro Jahr.“

Oft unvorhersehbare Probleme und gestiegene Kosten

Ein weiterer aktuell geförderter Sakralbau neben Lübtheen ist die Kirche Groß Plasten im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte: Die Dorfkirche, erbaut 1901, besitzt noch die komplette originale Ausstattung. Reppenhagen berichtete: „Die Dachdeckung der Kuppel, bestehend aus glasierten Tonziegeln, musste nach Stürmen immer wieder ausgebessert werden. Um eine langfristige Regensicherheit zu gewährleisten, war 2021 eine komplette Neueindeckung erforderlich. Kosten rund 290.000 Euro. Rostende Eisenanker hatten zudem das Putzgesims stark geschädigt und mussten ausgetauscht werden. Das Ausschreibungsergebnis lag über dem Planwert und durch stark steigende Materialpreise wäre die Maßnahme ohne die Zuwendung aus den Erträgen der Lotterie GlücksSpirale nicht finanzierbar gewesen.

Gut 31.000 Euro aus dem „Notfallfonds“ kamen im Vorjahr für die Schlosskirche Putbus in Vorpommern-Rügen. Hier war vor allem das Sockelmauerwerk neu zu verputzen und abzudichten. Im Innenbereich der Kirche aus dem 19. Jahrhundert wurden im unteren Bereich der Pfeiler und Außenwände alle Putze mit Feuchtigkeitsschäden abgenommen und der teerhaltige Anstrich entfernt, der sich teilweise darunter befand. Anschließend verputzten die Bauleute alles mit einem Kalkputz und strichen die Wände an. Damit die Sockelsanierung nachhaltig wirkt, erfolgte im Außenbereich der Kirche eine Geländeanpassung, um eine vernünftige Wasserableitung zu gewährleisten und neue Schäden zu vermeiden.

„In diesem Jahr stehen in Mecklenburg insgesamt rund 60.000 Euro und im Nachbarkirchenkreis gut 30.000 Euro bereit, um wacklige Projekte finanziell abzusichern“, blickten der Fachbereichsleiter und der Geschäftsführer voraus. Reppenhagens Fazit: „Diese Art Notfallfonds aus den Erträgen der GlücksSpirale ist sehr hilfreich und weiterhin unverzichtbar: Daher danke ich im Namen beider Kirchenkreise mit ihren 341 Kirchengemeinden dem Land Mecklenburg-Vorpommern und der Lotto-Toto-Gesellschaft ganz herzlich.“

Zahlen und Fakten
Erträge aus der GlücksSpirale an Destinäre/Begünstigte seit 1991:
o DOSB: 5,9 Mio Euro (inklusive Siegerchance ab 2016)
o Bundesarbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege: 5,8 Mio Euro
o Deutsche Stiftung Denkmalschutz: 5,8 Mio. Euro
o Evangelische Kirche in MV: 2,5 Mio. Euro

Rostock / Lübtheen - 21.04.2022
Quelle: Pommerscher Evangelischer Kirchenkreis