Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreises 2021


Gewinnerinnen und Gewinner des Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreises 2021 stehen fest – Mit 188 Einsendungen hohe Beteiligung am Wettbewerb – Schwerpunktthema Corona

In einem von geschlossenen Grenzen, Lockdowns, Homeoffice und -schooling geprägten Jahr war die Pandemie auch bei den Wettbewerbsbeiträgen oft ein Thema.

Den Deutsch-Polnischen Tadeusz-Mazowiecki-Journalistenpreis 2021 erhalten: Katarzyna Świerczyńska, Victoria Marciniak, Monika Sieradzka i Elisabeth Lehmann, Janusz Schwertner, Daniel Olczykowski, Dawid Serafin, Patryk Motyka, Michał Bachowski, Paweł Korzeniowski, Witold Jurasz sowie Karolina Kijek.

Die prämierten Beiträge wurden im „Magazyn 24” ( TVN24.pl), bei Radio Micro-Europa, im MDR (Redaktion „Geschichte und Dokumentationen”), bei der Deutschen Welle, auf den Nachrichtenportalen Onet.pl und Noizz.pl sowie in der Beilage „Duży Format” der Gazeta Wyborcza veröffentlicht. Die Gewinnerinnen und Gewinner erhalten ihre Auszeichnungen in den kommenden Tagen vom Gastgeber der diesjährigen Veranstaltung, dem Marschall der Woiwodschaft Westpommern Olgierd Geblewicz.

Bereits zum zweiten Mal fielen die Entscheidungen online. Am 6. Mai wurden aus den 188 eingesandten Beiträgen die Gewinnerinnen und Gewinner bestimmt.

Marschall Geblewicz wies auf die besonderen Rahmenbedingungen hin, unter denen der diesjährige Wettbewerb stattfand: „Die über ein Jahr andauernde faktische Schließung der Grenzen bereitete auf allen Seiten Schwierigkeiten. Vor allem aber hat sie das Leben im deutsch-polnischen Grenzgebiet verändert. Die zarte, jahrelang geknüpfte freundschaftliche Bande zwischen den beiden Gesellschaften wurde von der Pandemie auf eine harte Probe gestellt, wodurch wir uns wieder voneinander entfernt haben. All dies haben Journalistinnen und Journalisten auf beiden Seiten der Grenze dokumentiert und über die Geschehnisse berichtet. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam vor der großen Aufgabe stehen, die gegenseitigen Beziehungen und das Vertrauen zueinander wieder zu stärken. Ich setze dabei auch auf die Medienvertreterinnen und -vertreter, die sich wie bisher kreativ in die Gestaltung dieses Prozesses einbringen mögen.“

Die Ausrichter des diesjährigen Wettbewerbs und der 14. Deutsch-Polnischen Medientage – die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit, die Woiwodschaft Westpommern und die ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius – sowie die weiteren Stifter des Preises – die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Freistaat Sachsen sowie die Woiwodschaften Lebuser Land und Niederschlesien – gratulieren herzlich:

In der Kategorie Print Katarzyna Świerczyńska für den Beitrag „Manfred kam, um sich die Haare schneiden zu lassen, Ralf kaufte Socken. Osinów ist wieder eine Stadt von Weltrang”, Magazyn TVN24 auf dem Nachrichtenportal TVN24.pl.

Zur Begründung der Juryentscheidung sagte der polnische Juror für die Kategorie Print, Robert Migdał: „Das ist ein ausgezeichneter Text. Sowohl inhaltlich als auch journalistisch. Vom Feinsten! Die Autorin schildert die deutsch-polnischen Beziehungen im Grenzgebiet am Beispiel des Dorfes Osinów, in dem wir das gewöhnlich-ungewöhnliche Leben an der Grenze wie unter einem Vergrößerungsglas beobachten können.“

In der Kategorie Hörfunk
Victoria Marciniak
für den Beitrag: „David gegen Goliath? Zwei Länder, zwei Medienrechte, eine Klage”, ausgestrahlt im Radio Micro-Europa.

Das deutsche Jurymitglied für die Kategorie Hörfunk, Michael Elgaß, fasst die Juryentscheidung zusammen: „In dem 60-minütigen Hörfunkfeature „David gegen Goliath? Zwei Länder, zwei Medienrechte, eine Klage“ geht es um die polnische Klage gegen ein Kriegsdrama des Zweiten Deutschen Fernsehens und das Medienecho in beiden Ländern. Und es geht auch und vor allem um das hohe Gut der künstlerischen Freiheit. Die Autorin Victoria Marciniak kommt dabei ganz ohne erhobenen Zeigefinger aus, sie stellt vielmehr in bester journalistischer Manier unterschiedliche und kontroverse Meinungen nebeneinander – Hörerinnen und Hörer können sich dann ihr eigenes Bild machen. Das hat die Jury überzeugt.“

In der Kategorie Fernsehen
Elisabeth Lehmann und Monika Sieradzka
für den Beitrag: „Kinderraub der Nazis – Die vergessenen Opfer“, erschienen im MDR, Redaktion „Geschichte und Dokumentationen“ und in der Deutschen Welle.

Das deutsche Jurymitglied für die Kategorie Fernsehen, Bogna Koreng, erklärt, was für die Juryentscheidung ausschlaggebend war: „Geschildert werden die Schicksale dreier Kinder, die während des Zweiten Weltkrieges ihrer polnischen Eltern und Heimat beraubt, in ´guten´ deutschen Familien germanisiert werden sollten. Ausgesprochen wirkungsvoll betten die Autorinnen das Erlebte der geraubten Kinder historisch ein, belegen es mit Archivdokumenten und Zitaten, reichern die Dokumentation mit Originaltönen, historischen Aufnahmen und Skizzen an und schlagen immer wieder den Bogen in die Gegenwart, zur Aufarbeitung der Geschichte, zur Auseinandersetzung mit den Folgen des Rassenwahns.“

In der Kategorie Multimedia
Janusz Schwertner, Daniel Olczykowski, Dawid Serafin, Patryk Motyka, Michał Bachowski, Paweł Korzeniowski, Witold Jurasz
für den Beitrag: „Wir trocknen aus”, erschienen auf den Portalen Onet.pl und Noizz.pl. Der Beitrag entstand im Rahmen des Journalistenstipendiums der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Der polnische Juror Piotr Stasiak begründet die Entscheidung der Jury mit diesen Worten: „Im Jahr der Pandemie möchten wir innovative Ausdrucksmittel fördern, die Bild, Ton, Video und Interaktives miteinander verbinden – alles, was das Internet zu bieten hat. Vergessen wir jedoch nicht den zweiten Aspekt: die sorgfältige journalistische Arbeit, eine akribische Recherche zum Thema sowie eine fesselnde Geschichte. Die ausgezeichnete Arbeit besitzt all diese Qualitäten in der idealen Kombination. Genutzt wurde bewegendes Filmmaterial, Musik und Aussagen der Protagonisten, aber auch interaktive Elemente, Karten und Schaubilder. Ihre zahlreichen Autoren haben eine gigantische Leistung vollbracht, um zu allen notwendigen Quellen zu gelangen und die Geschichte aus vielen unterschiedlichen Perspektiven zu erzählen.“

In der von der Woiwodschaft Westpommern gestifteten Kategorie „Journalismus in der Grenzregion“
Karolina Kijek
für den Beitrag: „Lebendig gerupftes Hähnchen. Der Braunkohletagebau will sich erweitern.“, erschienen im „Duży Format“, Gazeta Wyborcza Wrocław

Der deutsche Juror für die Kategorie Print, Uwe Rada, würdigt den Siegerbeitrag mit folgenden Worten: „Mit der Reportage „Lebendig gerupftes Hähnchen“ hat die polnische Reportagekunst erneut das deutsch-polnische Grenzgebiet unter die Lupe genommen. Kijeks Arbeit handelt vom Tagebau Turów im Dreiländereck Polen, Deutschland und Tschechien. So begegnen den Leserinnen und Lesern verschiedene Perspektiven auf das Thema Braunkohleverstromung, Klimawandel, aber auch Energiepolitik. Eine einfache Wahrheit gibt es nicht. Oft steht das deutsch-polnische Grenzgebiet als Region für Themen wie Verständigung und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Mit ihrer Reportage geht Karolina Kijek dagegen dorthin, wo es wehtut. Und beschreibt einen Konflikt, der eher Verlierer als Gewinner hervorbringt. Zurecht ist sie dafür ausgezeichnet worden.“

Die Jurymitglieder wählten aus 188 Einsendungen aus: darunter 104 Beiträge in der Kategorie Print (45 polnische und 59 deutsche), 22 in der Kategorie Hörfunk (10 polnische und 12 deutsche), 32 in der Kategorie Fernsehen (7 polnische und 25 deutsche), 7 in der Kategorie Multimedia (4 polnische und 3 deutsche) und 23 im Wettbewerb um den Preis „Journalismus in der Grenzregion“ (11 polnische und 12 deutsche). Die Preise sind mit jeweils 5.000 Euro dotiert.

Alle nominierten Beiträge sind bis April 2022 abrufbar: https://nom2021.dnimediow.org/. Auf www.medientage.org finden Sie die Laudationes sowie das Programm der 14. Deutsch-Polnischen Medientage online am 28. Mai 2021.

Schwerin / Dresden / Warschau - 28.05.2021
Quelle: Staatskanzlei