»Reise - innen/außen – zeitlos»


Installation von Norbert Nolte, Nürnberg in der Kultur- und Wegekirche Landow


Vernissage Sa 20. Mai 2017 um 15 Uhr mit Oboe Christian Stimming
Finnisage So 21. Okt. 2017 um 15U hr

Die Wandarbeit »Reise«, ursprünglich entwickelt für die Fassade eines Hauses in Krakau, verbindet Motive und Objekte wie das Boot, das Seil und den Sternenhimmel, der sich wie ein vertrautes Erkennungszeichen durch das Werk des Künstlers zieht.

Die Sternenhimmelscheiben gingen in Krakau auf Reisen und nun wird das Thema der Installation sinnfällig,
indem es im Innenraum der Wegekirche zu Landow seinen besonderen Ort findet für den Sommer 2017:
»Reise – innen / außen – zeitlos«.

Sternenhimmelscheiben an den Seitenwänden, die als kreisförmige Blicke auf das Firmament einen zeitlosen unendlichen Raum angeben, der zur Projektionsfläche wird für jene Empfindungen und Vorstellungen und Träume, die sich beim Anblick des Nachthimmels einstellen, korrespondieren mit zwei Booten an der Nordwand der Kirche.

Das Seil entwickelt seine verschlungenen Pfade zum ersten Mal als „Der Weg“ in der Ausstellung „Unding der Seele“ 2012 im Diözesanmuseum Eichstätt. Es verbindet in der Wegekirche die wie kleine Inseln verteilten blauen Sternenhimmelscheiben wie Routenpunkte einer Reise, einer Expedition ins Ungefähre, Ungewisse.

Das Seil erinnert an die Passage einer Wegstrecke, an die Reichweite von Vorstellungen, an den Plan eines Vorhabens, das sich auf ein Ziel ausrichtet mit verschiedenen Stationen, Zwischenhalten, Unterbrechungen, Neuausrichtungen. Eine Wegstrecke durch Wind, Sturm, eine klare Nacht, unter wolkenverhangenem Himmel, im Geradeaus oder auf Nebenwegen, im Wechsel von Perspektiven, nah und groß, fern und winzig klein. Ein Transfer durch Zeit und Raum, durch Wüsten und über Meere hinweg, vorbei an fruchtbaren und unwirtlichen Regionen, durch Täler, über Hochebenen und Berge – das geologische Relief eines Seelenzustandes – um zu einem Ort zu gelangen, in dem der Weg, Ankunft und Abfahrt, Anfang und Ende aufgehen. Das Ankommen selbst verliert und gewinnt zugleich im Durchschreiten, Durcheilen, Durchhalten des Weges seine Bedeutung.

Das filigrane Baugerüst der beiden Boote und deren fragile Innenstruktur wird durch den Verzicht auf die zusammenhaltende Bootshaut als Skelett freigelegt. Die Boote befinden sich in vertikaler Richtung an der Nordmauer, haben sich aus der realen eigentlichen Umgebung des Gewässers gelöst, streben in die Höhe als Modell und Bild des Reisens, der Bewegung und Annäherung von einem Ort zum anderen, in eine gedankliche Sphäre, die der Phantasie und Imagination einen Raum öffnet. Aufbruch und Sichaufmachen in eine Gegenwelt, zu einem Sehnsuchtsort, einem Ort der Erfüllung – Konventionen und Zwänge, Ballast des Alltags hinter sich lassend, durchlässig werdend für eine Grenzüberschreitung, ein Zusteuern auf den Horizont und über diesen hinaus, ein Reisen über die Grenzen der eigenen Sphäre hinweg, Erkenntnis des Umfeldes und Umraumes aufnehmend und den Blick auf das Ferne, Neue weitend.

Die Wandarbeit mit den Booten und Sternenhimmelscheiben wird begleitet von zwei Installationen im Altarraum: »Speicher – Stille«, bestehend aus 20 kleinen, blau gefassten, geöffneten Vogelkäfigen. »Schlüsseltuch«, es umschürzt den blockartigen Altartisch, besteht aus dem Bildträger Stoff, auf dem alte Schlüssel appliziert sind, einem Fastentuch vergleichbar, – ‚Türöffner’ und gedankliches Angebot.

Die stimmungsvolle Kerzenbeleuchtung in der Kultur- und Wegekirche lädt den historischen Raum mit besonderer Atmosphäre auf, steigert den Eindruck des Pittoresken, in welchem sich die Spuren der Vergänglichkeit und der Zeit konzentrieren. Dieses Raumerleben ließe sich noch intensivieren durch ein Spiegelband auf ganzer Breite. Eine Verspiegelung der braunen Brüstung der Empore könnte den schweren, massiven Eindruck auflösen zu Gunsten einer immateriellen Erweiterung des Kirchenraums. Diese ließe sich wahrscheinlich relativ kostengünstig realisieren, temporär oder für einen längeren Zeitraum. Auch das bei Tag in den Raum einfallende Licht wird durch das Spiegelband verdoppelt, zugleich entmaterialisiert es den festen Raum, fast diaphan, und verrätselt den direkten Blick – zeitlos.

Dreschvitz - 12.05.2017
Text: Privat