Die Reformation in Stralsund


Ausstellung vom 28. April bis 31. Dezember 2017 im Katharinenkloster


Aus Anlass des Reformationsjubiläums zeigt das STRALSUND MUSEUM vom 28. April bis 31. Dezember 2017 im Katharinenkloster eine Sonderausstellung. Sie steht unter dem Ausspruch Martin Luthers „Helden sind nicht Einzelne“.

Das Kloster als Ausstellungsort hat für das Stralsunder Reformationsgeschehen eine besondere Symbolkraft. Die Dominikaner waren besonders aktiv bei der Bekämpfung von Ketzern. Die Exposition bezieht sich nicht nur auf das Katharinenkloster, sondern illustriert mit etwa 200 Objekten sehr lebendig die gesamte Stralsunder Reformationsgeschichte.

Der überwiegende Teil der Exponate stammt aus dem Museumsbestand. Aber auch exklusive Leihgaben des Stadtarchivs Stralsund, des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern und der Kirchengemeinde St. Nikolai Stralsund bereichern die Sonderschau. Herausragende Objekte sind die Bildnisse von Martin Luther, Philipp Melanchthon, Christian Ketelhot und Franz Wessel.

Das Lutherbild wurde von keinem Geringeren als Lucas Cranach d. J. 1567 auf die Leinwand gebracht und gehört in die Sammlung des ehemaligen schwedischen Generalgouverneurs Axel Graf von Löwen. Die Holzarbeit mit dem Bildnis Melanchthons schuf Herzog Barnim XI. von Pommern - Stettin. Barnim war nicht nur ein überzeugter Anhänger der Reformation, sondern betätigte sich auch künstlerisch als Schnitzer. Porträts des Stralsunder Kirchenreformators Christian Ketelhot sind fast nicht überliefert. Insofern werden die Besucher zu schätzen wissen, dass die Kirchengemeinde St. Nikolai ein Ölgemälde des „Stralsunder Apostels“ zur Verfügung stellt. An den Stralsunder Reformationsführer Franz Wessel erinnert sein Bildnis aus der Bürgermeisterporträtsammlung.

Ein Blickfang in der Ausstellung ist ein Ablassbrief aus dem Jahre 1506. Diese Urkunde besticht durch ihre prachtvolle Ausführung mit dekorativer Malerei. Sie wurde offensichtlich während der Reformation mit der Zerstörung der Siegel außer Kraft gesetzt. Erhalten geblieben sind lediglich acht leere Blechschalen an den Hanfschnüren.

Das „Stralsunder Kirchenbrechen“, der Raub- und Vernichtungszug des „gemeinen Mannes“ durch die Kirchen und Klöster, wird anhand eines von den hiesigen Franziskanern während der Reformation versteckten Münzschatzes, beschädigter Kirchenausstattungsgegenstände und des Beschlagfragments eines Reliquienschreins aus dem 13. Jahrhundert verdeutlicht. Dieses Fragment ist eine Leihgabe des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern, wurde 2016 bei Grabungen gefunden und wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.

Dem Pommerschen Reformator und Freund Martin Luthers Johannes Bugenhagen zollen wir Anerkennung, indem wir neben seinen Bildnissen und Veröffentlichungen auch die Barther Bibel von 1588 im Original zeigen. Bugenhagen wollte den Menschen in seiner pommerschen Heimat das Evangelium in ihrer niederdeutschen Muttersprache nahebringen. Deshalb war der erste vollständige niederdeutsche Bibeldruck in unserer Region nach Vorlage der Bugenhagen-Bibel von 1534 eine herausragende Leistung.

Stralsunds Kirchen und Klöster hatten eine reichhaltige vorreformatorische Ausstattung. Das Luthertum duldete die Ausstattung in den Gebäuden, gestaltete sie um oder schaffte sie in andere Kirchen. Bildersturm, Verweltlichung, Kriege, Brände und Modernisierung des Kirchenraums vernichteten aber in Stralsund den überwiegenden Teil dieser Kulturgüter.

Deshalb ist es ein Glücksfall, dass das STRALSUND MUSEUM bemerkenswerte ehemalige mittelalterliche Ausstattungsgegenstände bewahrt. Die Besucher können in der neuen Ausstellung ein Lektionar für Leviten und den ältesten überlieferten Abendmahlskelch des Johannisklosters ebenso bestaunen wie Gewölbescheiben aus dem Katharinenkloster, eine Madonna aus der Kirche St. Jürgen und Reliquiare aus der Jakobikirche. Eine wunderbare Ergänzung der neuen Schau ist die bereits laufende Ausstellung mit einzigartigen Stralsunder Paramenten.

Stralsund - 24.04.2017
Text: Pressestelle Hansestadt Stralsund