Klimafreundliches Paludi-Projekt geht an den Start


Minister vollzieht ersten Spatenstich für Sonnentau-Anbau im Breesener Moor

Klimafreundliches Paludi-Projekt geht an den Start

Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Till Backhaus wird am Dienstag zusammen mit Balasz Baranyai und Dr. Jenny Schulz von der 2017 gegründeten Firma PaludiMed GmbH den symbolischen ersten Spatenstich für den Anbau von Sonnentau im Breesener Moor bei Roggendorf vollziehen. Damit fällt der Startschuss für den nachhaltigen Anbau der geschützten heilkräftigen Pflanze auf zunächst 3,5 Hektar wiedervernässten Moores. In einem ehemaligen Torftagebau wird die PaludiMed eine Projektfläche von insgesamt 5,6 Hektar wiedervernässen bzw. renaturieren, um den Sonnentau – lateinisch: Drosera rotundifolia – gezielt zu kultivieren. Ab 2019/20 sollen die angebauten Pflanzen als Rohmaterial geerntet und Tinkturen, Extrakte und weitere Produkte aus Sonnentau vermarktet werden.

Das mehrfach ausgezeichnete Projekt reiht sich ein in die von Mecklenburg-Vorpommern aufgelegte „Fachstrategie Paludikultur“ zur klimafreundlichen Bewirtschaftung wiedervernässter, vormals degenerierter Moorflächen.

Schwerin - 01.10.2018
Quelle: Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt


Minister Dr. Till Backhaus (SPD): Ein Stück Geschichte in Sachen Paludikultur

Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus vollzog am Dienstag (2. Oktober) im Biosphärenreservat Schaalsee nordwestlich von Gadebusch den symbolischen ersten Spatenstich für den offiziellen Start eines viel versprechenden Paludikultur-Projektes. Auf 3,5 Hektar des Breesener Moores, dessen Vernässung derzeit vorbereitet wird, werden ab Frühjahr 2019 in Partnerschaft mit Torfmoos Sonnentaupflanzen wachsen, die später zu Heilmitteln insbesondere gegen Atemwegserkrankungen weiter verarbeitet werden sollen. Projektträger ist die PaludiMed GmbH aus Greifswald.

"Mit dem heutigen Spatenstich zeigen wir der Welt, dass Paludikultur bei uns nicht nur ein theoretisches Konzept ist, sondern in Mecklenburg-Vorpommern mit Leben gefüllt wird“, sagte der Minister. „Somit kann ich mit Fug und Recht sagen, dass wir alle heute ein Stückchen Geschichte in Sachen Paludikultur schreiben.“

Unter Paludikultur wird Landwirtschaft auf nassen Moorflächen verstanden. Mecklenburg-Vorpommern hat etwa 300.000 Hektar Moor. Das entspricht etwa 13 Prozent der Landesfläche. Trockengelegte Moore sind mit Emissionen von mehr als sechs Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalenten pro Jahr mit Abstand die größte Treibhausgas-Einzelquelle des Landes. "Wenn wir tatsächlich die Klimaschutzziele von Paris bis 2050 umsetzen wollen, bedeutet das ganz klar: Die trockengelegten Moore müssen konsequent wiedervernässt werden“, betonte Backhaus.

Andererseits können nicht alle bislang landwirtschaftlich genutzten Moorstandorte aus der Produktion genommen werden. In Mecklenburg-Vorpommern werden derzeit fast 60 Prozent der Moore landwirtschaftlich genutzt, etwa 21.000 Hektar als Acker und 144.000 Hektar als Dauergrünland. Darum werden an der Universität Greifswald Ansätze entwickelt, die eine Pflanzenproduktion bei hohen Wasserständen mit Verwertungsmöglichkeiten dieser Pflanzen verbinden. Das Landwirtschaftsministerium unterstützt die Forschung mit der im Dezember 2017 beschlossenen „Fachstrategie Paludikultur“.

Auch die PaludiMed GmbH ging aus einem Projekt dieser Forschung hervor. Die heutigen Geschäftsführer konnten ein Verfahren entwickelt, das die Kultivierung von Sonnentau auf Torfmoosrasen in einem größeren Umfang ermöglicht. Denn Sonnentau, das nassen nährstoffarmen Boden verlangt, steht wegen der Entwässerung der Moore in Europa auf der Roten Liste der bedrohten Arten und kann als Rohstoff für die Pharmazie nur noch in Finnland und Afrika der Natur entnommen werden. Das Marktpotential für Sonnentau wird weltweit auf bis zu 100 Millionen Euro geschätzt.

„Ich würde mich natürlich sehr freuen, wenn diesem Projekt möglichst bald weitere Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung von Paludikulturen folgen würden“, so der Minister.
Informationen zum Projekt: www.paludimed.eu

Schwerin - 02.10.2018
Quelle: Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt