Robben-Jungtiere an der Ostseeküste


Robben-Jungtiere an der vorpommerschen Ostseeküste
Deutsches Meeresmuseum informiert über Verhalten bei der Begegnung mit Kegelrobben

(Stralsund, 16.04.2018) Heute am frühen Nachmittag wurde am Strand von Dierhagen auf Fischland Darß-Zingst ein Robbenjungtier beobachtet. Dabei handelte es sich um dasselbe Tier, welches bereits am Samstag in Ahrenshoop und am Sonntag in Wustrow eine Verschnaufpause am Strand eingelegt hatte. Ebenfalls gestern wurde am Strand von Heringsdorf auf Usedom ein Robbenbaby beobachtet. Vor wenigen Wochen, am 08.03.2018 untersuchten Wissenschaftler des Deutschen Meeresmuseums ein auf Rügen tot gefundenes Jungtier – die erste in Mecklenburg-Vorpommern nachgewiesene Geburt einer Kegelrobbe.

„Die Sichtungen beziehungsweise der Totfund der Robbenjungtiere deuten an, dass die Meeressäugetiere nicht nur in unsere Gewässer zurückkehren, sondern auch ihren Nachwuchs hier zur Welt bringen“, sagt Dr. Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums. Erst seit 2005 werden überhaupt wieder regelmäßig Kegelrobben an den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns beobachtet.

Robben Jungtier

Dieses wenige Wochen alte Robben-Jungtier wurde in den vergangenen Tagen mehrfach an Stränden auf Fischland-Darß-Zingst beobachtet. (Bild: Linda Westphal / Deutsches Meeresmuseum Stralsund)


„Spaziergänger werden dringend gebeten, mindestens 100 Meter Abstand von den Tieren sowie den Fluchtweg ins Wasser offen zu halten und den eigenen Hund an der Leine zu führen.“ Weitere Informationen zum aktuellen Aufenthaltsort der äußerst sensiblen Jungtiere sollten dem Deutschen Meeresmuseum unter 0173/9688267 gemeldet werden.

Über das richtige Verhalten bei der Begegnung mit Kegelrobben finden sich Informationen auf der Webseite des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund: https://www.deutsches-meeresmuseum.de/wissenschaft/aktuelles/verhaltensregeln-robben/

Text: Deutsches Meeresmuseum Stralsund

Großer Stubber

Robbensichtung am Großen Stubber am 19.04.2018 (Foto: Linda Westphal/Deutsches Meeresmuseum)


Robbentourismus in Vorpommern

Greifswalder Bodden beliebt bei Anglern und Robben

(Stralsund, 23.04.18) Wegen der idealen Wetterbedingungen haben Wissenschaftler in der vergangenen Woche im Greifswalder Bodden ein hierzulande seltenes Naturspektakel beobachtet. Bei einer Ausfahrt des Deutschen Meeresmuseums mit dem Biosphärenreservat Südost Rügen zum Großen Stubber im Greifswalder Bodden wurde eine große Gruppe von ca. 200 ruhenden Robben gesichtet.

Seit einigen Jahren sind Kegelrobben in kleiner Anzahl wieder regelmäßig und dauerhaft an unserer Küste anzutreffen. Im Februar wurden zum Beispiel bei zwei Ausfahrten am Großen Stubber 15 beziehungsweise 29 Robben gezählt. An dieser Stelle sichteten das Bundesamt für Naturschutz und das Biossphärenreservat Südostrügen bei Monitoringausfahrten im Jahr 2017 im Mittel nur sechs Robben.

Die aktuell hohe Zahl begründet Michael Dähne, Kurator für Meeressäugetiere am Deutschen Meeresmuseum, so: „Die hier ansässigen Kegelrobben haben zurzeit Besuch von ihren skandinavischen Artgenossen, die regelmäßig weite Wanderungen unternehmen. Wahrscheinlich finden sie bei uns ausreichend Nahrung, da der Hering derzeit in sein Laichgebiet zieht. So wimmelt der Strelasund vor Booten und an der Wasserkante stehen die Angler dicht an dicht.“ Die Sichtung wurde begünstigt durch das sonnige Wetter und Niedrigwasser, weshalb die Robben den Stubber zum Ruhen auf ihrer Wanderung nutzten.

Dr. Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums, ergänzt: „Die Zahl der Robben an unserer Küste wird wahrscheinlich schon bald wieder drastisch sinken, denn im Mai und Juni sind die Tiere im Fellwechsel und dafür benötigen sie ruhige, geschützte Strände an denen sie mehrere Wochen trocken liegen können. Diese finden sie jedoch nicht in Vorpommern sondern in Dänemark und Schweden.“

Um Konflikte mit der Fischerei und Störungen durch den Tourismus zukünftig zu vermeiden, ist in Mecklenburg-Vorpommern ein allgemeiner Plan für den Umgang mit Kegelrobben dringend erforderlich. Eine Initiative des WWF zur Etablierung eines Managementplanes wird aber derzeit nicht durch das Land Mecklenburg-Vorpommern unterstützt. Gemeinsame Stimmen aus Fischerei, Naturschutzverbänden, Wissenschaft und Behörden bekräftigen, dass umgehend ein natur- und fischereiverträglicher Umgang mit den Tieren beschrieben werden muss, in dem auch die Frage der möglichen Entschädigung für Fischer bei nachgewiesenen Schäden an Fang und Gerät durch Kegelrobben gelöst werden sollte. Diese Dringlichkeit wird durch die jetzigen Zählungen und die erstmaligen Geburten von Kegelrobben an unserer Küste in diesem Jahr mehr als deutlich untermauert.

Sichtungen von Kegelrobben oder anderen marinen Säugetieren an unseren Küsten sollen unter www.schweinswalsichtung.de oder die App ‚OstSeeTiere‘ gemeldet werden. Totfunde können jederzeit unter der Rufnummer 03831 2650 3333 gemeldet werden. Informationen über den richtigen Umgang mit Robben am Strand befinden sich auf der Webseite des Deutschen Meeresmuseums unter

www.deutsches-meeresmuseum.de/wissenschaft/aktuelles/verhaltensregeln-robben/.

Text: Deutsches Meeresmuseum