1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland


Stralsund begeht das bundesweite Festjahr "1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland"
18 Akteure gestalten ein abwechslungsreiches Jahresprogramm

Im Jahr 2021 werden Jüdinnen und Juden nachweislich seit 1.700 Jahren auf dem Territorium des heutigen Deutschlands leben. In einem bundesweiten Festjahr wird diese reiche 1.700-jährige Geschichte mit zahlreichen Veranstaltungen beleuchtet. Auch den Stralsunder Veranstaltungskalender 2021 prägt das Festjahr "1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland". Vereine, Initiativen und Einrichtungen haben gemeinsam mit der Hansestadt ein Jahresprogramm erstellt.

Den Auftakt bildete das Friedensgebet anlässlich der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar in der St. Marienkirche. Am 19. März eröffnet das STRALSUND MUSEUM im Museumshaus eine Sonderschau zum jüdischen Antiquar John Horneburg. Ab dem 6. April folgt die Ausstellung „Die jüdischen Kaufmannsfamilien in Stralsund“ des Fördervereins Historische Warenhäuser Wertheim und Tietz in Stralsund e.V. am hiesigen Standort der Kreisvolkshochschule Vorpommern-Rügen.

Ein besonderes Beispiel für ein Kooperationsprojekt zum bundesweiten Festjahr 2021 ist die Präsentation der internationalen Wanderausstellung „Stolpersteine – Gedenken und Soziale Skulptur“ ab dem 16. April in der Stadtbibliothek. Eigens für die Wanderausstellung, die bereits u.a. in Amsterdam und Boston gezeigt wurde, haben Kulturakteure der Hansestadt ein Rahmenprogramm entwickelt. Darunter sind eine Lesung mit Uta Reichel, eine Filmvorführung des Filmclubs Blendwerk und ein Konzert in der Klinikumskirche. Die „Initiative zur Erinnerung an jüdisches Leben in Stralsund“ wird außerdem weitere Stolpersteine zur Erinnerung an ehemalige jüdische Einwohnerinnen und Einwohner im Stralsunder Stadtgebiet verlegen. Die genauen Termine werden im Laufe des Frühjahrs veröffentlicht.

In der zweiten Jahreshälfte ist die Kulturkirche St. Jakobi Schauplatz für zwei weitere Ausstellungsprojekte. Am 1. September eröffnet hier eine Ausstellung mit Porträtaufnahmen von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Rostock des Stralsunder Fotografen Jörg Zink. Ab dem 31. Oktober bis zum Jahresende ist eine „Wanderausstellung des Erinnerungsortes Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ zu sehen..

Der Bund der Deutschen Katholischen Jugend Berlin lädt vom 23. bis 29. August in den Bürgergarten Stralsund zu jüdischen Filmtagen und koscherem Essen ein und bietet ab August einen individuell buchbaren eintägigen Workshop zum Thema Antisemitismus an.

Auch digitale Angebote haben einen Platz im Stralsunder Jahresprogramm. Die katholische Pfarrei St. Bernhard und die evangelische Kirchengemeinde St. Nikolai hatten bereits am 13. Februar zu einem Ökumenischen Gottesdienst via YouTube eingeladen. Die Hansestadt Stralsund informiert ab sofort auf ihrer digitalen Stadtkarte unter www.webgis2.stralsund.de über jüdische Gedenkorte.

Alle Stralsunder Veranstaltungen und ausführliche Informationen finden sich auf: www.stralsund.de/2021jlid

Hintergrund

Stralsund hat eine reiche jüdische Geschichte, die im 13. Jahrhundert begann. Jedoch wurden jüdische Menschen um 1500 weitgehend aus Stralsund vertrieben. Erst im 18. Jahrhundert siedelten sich wieder Juden in der Hansestadt an. Mit der 1787 eröffneten Synagoge und zwei jüdischen Friedhöfen war die Stralsunder jüdische Gemeinde das Zentrum der Juden in ganz Vorpommern. Ihre Blütezeit erlebte die jüdische Gemeinde im ausgehenden 19. Jahrhundert, als sie über 170 Mitglieder zählte. Nachdem im Jahr 1943 die letzten Juden aus Stralsund in die Vernichtungslager deportiert wurden, scheiterte ein Versuch des Neuaufbaus einer jüdischen Gemeinde im Jahr 1947. Seit den 1990er-Jahren engagieren sich bürgerschaftliche Initiativen in Kooperation mit der Hansestadt Stralsund, um auf jüdisches Leben und Wirken in Stralsund aufmerksam zu machen.

Stralsund - 16.02.2021
Quelle: Pressestelle Hansestadt Stralsund