Rückkehrerappell


Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei Rückkehrerappell - Gut, dass alle wieder gesund in der Heimat sind

„Herzlich Willkommen zurück! Herzlich Willkommen in Schwerin, in Mecklenburg-Vorpommern, in der Heimat. Ich freue mich, dass Sie alle wohlbehalten aus dem Einsatz zurückgekehrt sind und ich Sie heute im Rahmen des Appells begrüßen kann. Auch den Soldatinnen und Soldaten aus Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt ein herzliches Willkommen in Deutschland“, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig heute beim Rückkehrerappell der Bundeswehr auf dem Alten Garten in Schwerin.

Sie wandte sich an die Soldatinnen und Soldaten: „Sie alle stehen heute verdient im Mittelpunkt. Sie haben sich in den vergangenen Monaten dem Auftrag des Deutschen Bundestages gestellt und damit den deutschen Verpflichtungen im Rahmen des Internationalen Krisenmanagements. Bei meinen Terminen z.B. mit der Marine im vergangenen Jahr habe ich viele Soldatinnen und Soldaten kennengelernt. Ich war sehr beeindruckt von ihrer Haltung, ihrem Pflichtgefühl und der tiefen Verbundenheit mit unserem Land und seinen Werten. Sie alle können mit Stolz auf Ihre Einsätze zurückblicken. Wir brauchen Bürgerinnen und Bürger wie Sie, die sich aktiv für unsere Freiheit einsetzen und bereit sind, sie persönlich zu verteidigen.“

Die Ministerpräsidentin dankte auch den Angehörigen: „Das war eine große Leistung, die Sie in den vergangenen Wochen vollbracht haben, in denen Sie vieles allein schultern mussten, in denen Sie Geburtstage und Feiertage ohne Ehemann oder Ehefrau, Freundin oder Freund, Mutter oder Vater verbringen mussten. In denen Sie viele Gute-Nacht-Geschichten allein vorlesen mussten, Tränen trocknen, Arbeit und Haushalt ohne große Unterstützung meistern mussten.“

Die Deutschen würden aus unserer Erfahrung wissen, wie wichtig es sei, „alles zu tun, um den Frieden zu bewahren. Das muss unser wichtigstes politisches Ziel bleiben. Freiheit, Rechtsstaat und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeit. Das müssen wir uns immer wieder vor Augen führen. Gerade in Zeiten, in denen viele aktuelle Konflikte uns zeigen, wie leicht wir in eine für ganz Europa gefährliche Lage geraten können“, betonte Schwesig.

Schwerin - 27.03.2019
Quelle: Staatskanzlei / Ministerpräsidentin


Heute werden in Schwerin bei einem Rückkehrerappell rund 500 im Land stationierte Soldaten nach einem Auslandseinsatz in der Heimat begrüßt. Die Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“ in Neubrandenburg hat zuletzt den Großteil der eingesetzten Kräfte gestellt. Neubrandenburgs Oberbürgermeister Silvio Witt ist nach Schwerin gereist und wird sich anlässlich des Rückkehrerappells mit einem Grußwort an die Teilnehmer wenden.

Grußwort des Oberbürgermeisters Silvio Witt anlässlich des Rückkehrerappells in Schwerin am 27. März 2019

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin, sehr geehrte Abgeordnete und Minister, geschätzte Amtskollegen, sehr geehrter General Kropf, sehr geehrter General Durst, verehrte Gäste, aber vor allem, liebe Soldatinnen und Soldaten, es ist mir eine Ehre und Freude hier heute zu Ihnen sprechen zu dürfen. Gibt es mir doch die Möglichkeit, Ihnen zu danken. Für vieles.
Die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr ist für mich – und ich denke ich spreche hier auch für meine Amtskollegen – gut gelebter Alltag. Für mich gehören Staatsbürger in Uniform zum täglichen Leben dazu und es ist daher selbstverständlich, dass sie gesellschaftlich Wertschätzung erfahren. Persönlich zähle ich den regelmäßigen Austausch mit dem Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 41 „Vorpommern“, General Durst, zu den wertvollen und erkenntnisbringenden Gesprächen in meinem Amt.

In Neubrandenburg ist die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr im Sport, in der Kultur, insbesondere bei der Gedenkarbeit sowie in der Wirtschaft ein Impuls der guten Entwicklung unserer Stadt. Trotz vieler politischer Entscheidungen, die diese Entwicklung in den zurückliegenden drei Jahrzehnten erschwerten.

Dennoch können wir auch in außergewöhnlichen Situationen auf die verlässliche Zusammenarbeit zählen. Ich sage daher, ohne die Bundeswehr hätten wir 2015 und 2016 die Herausforderung der Flüchtlingsaufnahme nicht so schnell und nicht so gut bewerkstelligen können.

Und ja, wir forcieren auch deshalb die Sichtbarkeit der Bundeswehr in unserer Stadt. Sei es durch Appelle auf dem Marktplatz Neubrandenburgs oder durch die Präsenz beim größten Volksfest im Nordosten des Landes – dem Viertorefest. Auch die Arbeit des Reservistenverbandes zähle ich zu den fest verankerten Netzwerken unserer Stadt.

Warum erwähne ich dies an dieser Stelle? Ich mache mir Gedanken um einige Entwicklungen in unserer Gesellschaft und die daraus resultierende mangelnde gesellschaftliche Wertschätzung der Bundeswehr in den letzten Jahren.

Lassen Sie mich dies verdeutlichen: Man könnte den Eindruck gewinnen, wir bewegen uns politisch in Richtung „Wohlfühlgesellschaft“. Jeder Bürger soll sich bei jeder politischen Entscheidung auf- und wahrgenommen fühlen. Es wird an mancher Stelle vermieden, an Pflichten zu erinnern. Pflichten eines jeden Bürgers. Jene Pflichten, die ein friedvolles Zusammenleben erst ermöglichen.

Kurzum, die Komplexität von Politik und deren Entscheidungen wird auf ein „vermarktbares“ Niveau heruntergebrochen. Kompromisse oder die ausgleichende Wirkung einer Entscheidung sind immer schwerer vermittelbar, da gerade die mediale Wahrnehmung der Tagespolitik als Gradmesser herangezogen wird. Doch ich halte es für eine Aufgabe von Politik, den langen Weg aufzuzeigen und nicht Kurzstrecken-Champion sein zu wollen.

Selbstverständlich wollen wir, dass es den Menschen in unserem Land gut und besser geht. Jedoch darf dies keine Momentaufnahme sein sondern es muss der weite Blick nach vorn skizziert werden. Denn dieser Wohlstand hängt von unserer Basis, von unserer parlamentarischen Grundordnung, also von nicht weniger als von der Freiheit ab. Dies müssen wir gemeinsam immer wieder verdeutlichen. Und eine Basis für die Verteidigung unserer Freiheit ist die Bundeswehr.

Diese Verteidigung hat ihren Preis. Sowohl monetär als auch in den vielen Facetten, die Sie kennen lernen mussten, liebe Soldatinnen und Soldaten. Während Ihrer Einsätze haben Sie nicht nur Ihr Zuhause entbehren müssen, sondern sahen auch Orte in der Welt, in denen es ein Zuhause in Frieden und Freiheit lange nicht gab und auch nur schwer geben wird. Sie haben ganz sicher Situationen erlebt, in denen Sie sämtliche Maßstäbe unserer Gesellschaftsordnung nicht anlegen konnten. Ganze Wertegerüste haben nicht funktioniert. Dennoch haben Sie nicht die Frage nach dem „Warum?“ gestellt. Sie haben einen Auftrag, den Sie erfüllen.

Niemand kann Ihnen diese Lebensleistung wegdiskutieren oder gar nehmen. Sie haben Ihrem Land gedient. In einer Zeit, in der wir hier in Deutschland über die Optimierung des Ist-Zustandes diskutiert haben, haben Sie die Basis all dessen, nämlich die Freiheit verteidigt. Sie haben Ihrem Land gedient. Dafür danke ich Ihnen persönlich und im Namen der Städte und Gemeinden in unserem Land. Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien alles Gute und freue mich über diese öffentliche Wertschätzung, die Ihnen am heutigen Tage entgegengebracht wird. Vielen Dank.

Neubrandenburg - 27.03.2019
Quelle: Pressestelle Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg am Tollensesee