Gesundheitspreis in Schwerin vergeben


Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph: Familien brauchen Unterstützung – stärkere Sicherung der spezialärztlichen Versorgung für Kinder und Jugendliche

Die Preisträger für den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 stehen fest. Wirtschaftsstaatssekretär Dr. Stefan Rudolph hat gemeinsam mit der Ärztekammer und der AOK Nordost vier Auszeichnungen in Schwerin übergeben. „Der Preis macht in besonderer Weise auf ein sensibles und immer bedeutender werdendes Thema aufmerksam. Familien brauchen Unterstützung durch Projekte, die das gemeinsame Leben erleichtern. Dabei helfen oft auch kleine Ideen, Großes im Alltag für die Betroffenen zu erleichtern“, sagte der Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit, Dr. Stefan Rudolph vor Ort. „Trotz und mit ihrer chronischen Erkrankung sollen Kinder ihren Platz in der Mitte der Gesellschaft finden. Dazu müssen sie bestmögliche Unterstützung erfahren und lernen, mit ihrer Krankheit zu leben“. Mit der Auszeichnung werden Projekte und Initiativen gewürdigt, die betroffene Familien aktiv dabei unterstützen, selbstständig und selbstbewusst ihren Alltag zu meistern.

11 Bewerber – vier Preisträger

Bereits zum dritten Mal hat die Selbstverwaltung der AOK Nordost zusammen mit der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern ausgeschrieben. Der Wettbewerb stand unter dem Motto: Damit können wir leben! Unser Beitrag für chronisch kranke Kinder und deren Eltern. Die Auszeichnung, die seit dem Jahr 2013 alle zwei Jahre vergeben wird, steht unter der Schirmherrschaft von Gesundheitsminister Harry Glawe. Sie ist mit insgesamt 30.000 Euro dotiert. Eine fachkundige Jury hat unter den elf Bewerbern vier Preisträger ausgewählt, die mit ihren Ideen und Netzwerken beispielgebend auf die Bedürfnisse von erkrankten Kindern und deren Familien eingehen. Es werden die Projekte der Kinderfördertagesstätte „Gänseblümchen“ in Rostock, der Elternkreis drogenabhängiger und drogengefährdeter Jugendlicher in Rostock, die Pro-Fil Kindernachsorge gGmbH in Schwerin sowie das Sozialpädiatrische Zentrum Vorpommern in Greifswald unterstützt (siehe „Preisträger im Kurzportrait“).

Stärkere Sicherung der spezialärztlichen Versorgung

Wirtschaftsstaatssekretär Rudolph forderte vor Ort eine stärkere Sicherung der spezialärztlichen Versorgung chronisch kranker Kinder und Jugendlicher. Er kündigte im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz im Juni einen entsprechenden Antrag an, der genau diese Thematik aufgreift. „Dabei geht die Forderung dahin, neue ambulante Möglichkeiten zur Leistungserbringung für kinder- und jugendmedizinische Zentren an Krankenhäusern zu eröffnen, die über die erforderliche Expertise verfügen. Eines steht aber für mich fest: Gerade chronisch kranke Kinder brauchen unsere Unterstützung und erreichbare hochqualifizierte Behandlungsmöglichkeiten gehören dazu“, erläuterte Rudolph abschließend.

Die Preisträger im Kurzporträt

Kinderfördertagesstätte „Gänseblümchen“ in Rostock

Die Kinderfördertagesstätte „Gänseblümchen“ in Rostock erhält den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 über 9.000 Euro für ihr Projekt „Musik verbindet, motiviert und schlägt Brücken“. In der spezialisierten Kita werden schwerst- und mehrfachbehinderte Kinder betreut, darunter auch Kinder mit chronischen Erkrankungen. Im Musikprojekt können Kinder Musik wahrnehmen, ausprobieren und erkunden. Die musikalische Früherziehung erfolgt im vierten bis sechsten Lebensjahr, fördert neben den musischen auch die psychomotorischen Fähigkeiten und kann für Kinder und Eltern eine therapeutische Wirkung entfalten. In der Betreuung durch ein interdisziplinäres Team werden verschiedene musikalische Projekte in Gruppen- und Einzelförderung umgesetzt. Das Musikprojekt mit seinem interkulturellen Ansatz fördert ganzheitliches Erleben und ist gut zum Nachahmen geeignet.

Elternkreis drogenabhängiger und drogengefährdeter Jugendlicher in Rostock

Die Selbsthilfegruppe Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Jugendlicher Rostock erhält den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 über 9.000 Euro. Das Modellprojekt zur Selbsthilfe und Unterstützung bei der Alltagsbewältigung von Eltern und Angehörigen drogenabhängiger und gefährdeter Jugendlicher und junger Erwachsener schließt in vorbildlicher Weise den Kreis zwischen den betroffenen Patienten, Therapeuten und Eltern. Die Initiative führt regelmäßig Eltern-Patienten-Gespräche in einer Suchtklinik durch, organisiert gemeinsame Wanderungen, Grillfeste und Adventsfeiern. Ein wichtiges Anliegen der Gruppe ist es, ihre Erfahrungen öffentlich zu teilen und weiterzugeben. So helfen sie Menschen in ähnlicher Lage, ihre familiäre Situation aktiv anzugehen. Die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Eltern, Therapeuten, Notaufnahmeeinrichtung, Jugendamt und Polizei wird systematisch weiterentwickelt.

Pro-Fil Kindernachsorge gGmbh in Schwerin

Den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 über 9.000 Euro erhält die Pro-Fil Kindernachsorge gGmbH beim Sozialpädiatrischen Zentrum Mecklenburg in Schwerin mit ihrem Projekt „Begleitung von Geschwisterkindern“. Im Sozialpädiatrischen Zentrum werden seit 2007 jährlich 300 Kinder bis zum 14. Lebensjahr beim Übergang von der stationären zur häuslichen Betreuung begleitet, darunter zahlreiche Frühgeborene sowie Kinder mit onkologischen Erkrankungen, Herzfehlern und Brandverletzungen. Mit dem Projekt „Begleitung von Geschwisterkindern“ chronisch kranker Kinder will die Pro-Fil Kindernachsorge nun neue Wege bei der Nachbetreuung von Familien gehen. Im Mittelpunkt dieses Projektes stehen die Geschwisterkinder. Regelmäßige Beratungsangebote und Geschwistertage sollen das Risiko psychischer Auffälligkeiten bei Geschwisterkindern verringern und die Kommunikation zwischen der Familie und den Experten des Sozialpädiatrischen Zentrums verbessern.

Sozialpädiatrisches Zentrum Vorpommern in Greifswald

Das Projekt „Fahrtwind“ des Sozialpädiatrischen Zentrums Vorpommern in Greifswald erhält den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern 2018 über 3.000 Euro. Das Zentrum betreibt seit 1998 einen Sportverein, der auch sozial schwachen Familien offensteht. In der Segelgruppe „Fahrtwind“ in Kooperation mit dem Greifswalder Segelverein werden adaptive und soziale Fähigkeiten im Rahmen einer Trainingswoche befördert, detaillierte Ziele festgelegt und die Ergebnisse bewertet. So fördert das Projekt Kinder mit Entwicklungsverzögerungen und psychischen Erkrankungen. Die Kinder lernen ihren Alltag selbstständig zu gestalten. Sie bauen Ängste ab, verbessern ihre Koordination und entwickeln Sozialkompetenz. In Kooperation mit der Kommune, dem Land, Sportvereinen und Sponsoren wird das Projekt langfristig weiterentwickelt. Das übertragbare Projekt wurde in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift vorgestellt.

Statements zum Preis

Knut Lambertin, alternierender Verwaltungsratsvorsitzender der AOK Nordost:

„Ich danke allen Bewerbern für ihr Engagement und ihre tollen Ideen und ich wünsche mir, dass dieses Engagement auch in der Zukunft ungebrochen fortgesetzt wird bei der Preisverleihung. Vor allem wünsche ich mir, dass die ausgezeichneten Beiträge auch in anderen Regionen Mecklenburg-Vorpommerns zur Nachahmung anregen.“

Frank Michalak, Vorstand der AOK Nordost:

„Als größte regionale Gesundheitskasse kennen wir die Probleme in der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung der Menschen im Land zwar sehr gut. Von vielen engagierten Projekten in der Fläche erfahren wir aber auch erst durch den Gesundheitspreis Mecklenburg-Vorpommern, mit dem wir bereits zum dritten Mal bewusst eine Öffentlichkeit für diese Initiativen schaffen wollen. Denn die heute ausgezeichneten Preisträger engagieren sich in besonderem Maße für chronisch kranke Kinder - diese ,Helfer mit Herz‘ wollen wir deshalb würdigen und in den Mittelpunkt rücken. Sie werden oft nicht gesehen - und das wollen wir mit unserem Preis ändern.“

Dr. Andreas Crusius, Präsident der Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern:

„Chronische Erkrankungen unter Kindern und Jugendlichen nehmen zu. Die lebenslangen gesundheitlichen Einschränkungen bedeuten oftmals eine hohe emotionale Belastung sowohl für die Betroffenen selbst als auch für ihre Eltern und Geschwister. Die von uns ausgezeichneten Projekte unterstützen chronisch erkrankte Kinder und Jugendliche sowie ihre Familien bei der Bewältigung und Gestaltung des Alltags und leisten somit in vorbildlicher Weise einen Beitrag zu einer allumfassenden Versorgung.“

Schwerin - 18.04.2018
Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit