Bericht des OB während der Bürgerschaft


Bericht von Oberbürgermeister Roland Methling während der Sitzung der Bürgerschaft


Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren,

einige von Ihnen waren vorgestern dabei, als wir gemäß Ihres Beschlusses vom 1. März 2017 Landesrabbiner Dr. William Wolff vor etwa 150 Gästen der Ehrenbürgerbrief feierlich überreichen konnten. Und Sie werden mir sicher Recht geben bei der Einschätzung, dass dies eine besonders würdevolle und erhebende Festveranstaltung war. In der Laudatio auf Dr. William Wolff unterstrich unser Ehrenbürger Bundespräsident a.D. Joachim Gauck nach einem Rückblick auf jüdische Geschichte in Rostock:

„Er war die richtige Person zur rechten Zeit.“ Als Laudator skizzierte er wichtige Stationen im Leben des Rabbiners: „Willi Wolff hat sich noch im hohen Alter eine Neugier erhalten, die andere Menschen im Leben nie hatten.“ Und an den Geehrten gerichtet unterstrich er: „Mit Ihrer Offenheit zeigen Sie, dass uns das Unbekannte nicht erschrecken muss.“ Dr. William Wolff bedankte sich bei uns, und gestatten Sie mir, dass ich auch hier einige Worte zitiere: „Das bedeutet mir sehr, sehr viel – vielleicht mehr, als Manche sich vorstellen können. … Ich bin auf diese Stadt sehr stolz und dankbar für die Ehre, die Sie mir heute erweisen.“

Meine Damen und Herren,

unsere heutigen Ehrenbürger sind zweifellos wichtige Vorbilder für uns. Daher wollen wir auch noch in diesem Jahr mit einer kleinen Galerie von Portraits der Ehrenbürger im Rathaus starten.

Würdevoll war auch die 20. Unternehmerehrung der Hansestadt Rostock am 20. Mai 2017. Geehrt wurden als Rostocker Unternehmerin des Jahres 2016 - Iris Tschischke, Geschäftsführerin der Südhus GmbH sowie der Pflegeheim Südhus Nord GmbH; als Unternehmen, das sich besonders für die Schaffung und Sicherung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen engagiert hat – Detlef Wunderlich, Inhaber der Verkehrsausbildungsstätte Fahrschule Wunderlich GmbH; für das Engagement zur Imageförderung der Hansestadt Rostock – Sabine Müller, Geschäftsführerin der INNOMAR Technologie GmbH; als Unternehmen, das ein besonderes Firmenkonzept umgesetzt hat – Andreas Kiefer, Inhaber der Maßschneiderei Andreas Kiefer, und als Rostocker Familienbetrieb des Jahres – Andreas Stach, Inhaber der Fleischerei Seibt. Auch von hieraus noch einmal herzliche Glückwünsche an alle Geehrten und herzlichen Dank für ihr Beispiel gebendes Engagement!

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 18. Mai 2017 wurde das Interreg-Projekt „Interconnect“ von der Europäischen Union bewilligt. Dem Konsortium mit insgesamt 19 Partnern aus Schweden, Polen, Litauen Dänemark, Estland und Deutschland wurden Zuschüsse in Höhe von 2,8 Mio. Euro zugesprochen, damit die grenzüberschreitende Integration weiter vorangebracht werden kann. Dabei entfällt auf die Verbindungen zwischen Rostock und unsere dänische Partnerkommune Guldborgsund ein Anteil von 780.000 Euro. Die Rostocker Projektpartner vom HIERO-Institut, dem Regionalen Planungsverband Rostock, der Rostocker Straßenbahn AG und der Stadtverwaltung werden den Aktionsplan für die weitere grenzüberschreitende Kooperation nun schrittweise umsetzen.

Im Projekt stehen insgesamt drei Regionalintegrationsforen im Mittelpunkt. Zum Beispiel werden wir 2018 zu einem Integrationsforum zum Themenkomplex „Verwaltungskooperation, Verwaltungsmodernisierung“ einladen. Die bereits im Zusammenhang mit der Städtepartnerschaft Rostock - Guldborgsund vereinbarten Entwicklungsziele sollen aktualisiert, schrittweise umgesetzt und für die Einwohnerinnen und Einwohner weiter erlebbar gemacht werden. So ist es ausdrückliches Ziel der Zuwendungsgeber, die Begegnungen zwischen den Menschen in Süddänemark und in der Regiopolregion Rostock zu beleben und dabei auch die autofreien Personenverkehrsangebote auszuprobieren. So soll Schulklassen von beiden Küsten der Ostsee durch spezielle Zuschüsse ermöglicht werden, in die jeweils andere Region zu fahren und sie besser kennen zu lernen.

Meine Damen und Herren,

auch von einem weiteren Interreg-Projekt der Europäischen Union profitieren wir in Rostock direkt. Ein international besetzter Expertenworkshop im Rahmen des Projektes „JOHANN“ hat sich vom 14. bis 17. Mai 2017 in Rostock mit speziellen Fragen der Stadtentwicklung befasst. Unter dem Motto „From a growing to a great city" ging es nicht nur um einen allgemeinen Erfahrungsaustausch. Sechs Workshopteams hatten neue Entwicklungskonzepte für das Stadthafen-Areal und die Beziehungen zur Innenstadt diskutiert und Handlungsempfehlungen erarbeitet.

Sehr geehrte Damen und Herren,

wesentlich kleiner sind die Dimensionen beim Umbau der viel diskutierten Steintor-Kreuzung. Ihre Umgestaltung und die überfällige Sanierung der Ernst-Barlach-Straße, welche für dieses Frühjahr angekündigt waren, müssen aus wirtschaftlichen Gründen leider nun in das kommende Jahr verschoben werden. Auf die öffentliche Ausschreibung der Bauleistungen bewarb sich nur ein Bieter, eine aus mehreren Firmen bestehende Arbeitsgemeinschaft. Nach Prüfung und Auswertung des Angebotes wurde eine wesentliche Überschreitung der zuvor kalkulierten Kosten festgestellt. Das Vorhaben war auf Basis dieses überteuerten Angebotes nicht umzusetzen und die Ausschreibung musste aufgehoben werden.

Das Ausschreibungsergebnis führen wir zum einen auf die derzeit hohe Auslastung der Straßenbaufirmen zurück. Zudem ergaben Recherchen, dass eine Ausschreibung vor Jahresende und mit einer längeren Bearbeitungsfrist für die Firmen interessanter gewesen wäre. Wir gehen davon aus, dass eine Wiederholung der Ausschreibung im Herbst 2017 bei verändertem Leistungsprogramm letztlich ein akzeptables Ergebnis erzielen wird und wir Ende dieses Jahres mit den vorbereitenden Maßnahmen beginnen können.

Meine Damen und Herren,

am 1. Juni 2017 konnten die Medien vermelden, dass die Zahl der Arbeitslosen in Mecklenburg-Vorpommern im Mai erstmals in der Geschichte des Landes unter die Marke von 70 000 gefallen ist. In Rostock stand mit einer Arbeitslosenquote von 8,5 Prozent zum allerersten Mal eine Acht vor dem Komma. Das ist ein tolles Ergebnis, das uns ermutigen sollte, weiter alles dafür zu tun, um sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse zu schaffen! An dieser Stelle möchte ich auch unseren Partnern in diesem Zusammenhang recht herzlich danken. Das sind in erster Linie natürliche die Agentur für Arbeit Rostock und das Hanse-Jobcenter. Das sind aber auch die vielen klein- und mittelständischen Unternehmen, das Handwerk und die Wirtschafts- und Beschäftigungsmotoren in unserer Region.

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung hat nun unter Bezug auf § 7 Absatz 6 des Denkmalschutzgesetzes Mecklenburg-Vorpommern eine Entscheidung zur Heinkelwand auf dem Werftdreieck getroffen. In einem Schreiben von Anfang Mai 2017 aus dem Ministerium heißt es:

„Dem Antrag ... auf Erteilung einer Abbruchgenehmigung stehen denkmalschutzrechtliche Gründe nicht entgegen.“ Und dies wird auch sehr ausführlich begründet. Das Amt für Kultur, Denkmalpflege und Museen beabsichtigt nun, den Mauerblock über dem Tor mit dem Abdruck des Heinkellogos bergen zu lassen und ihn museal zu präsentieren.

Auf dem Gelände des neuen Wohnstandortes Werfdreieckes sollen in geeigneter Form Elemente der Erinnerung entstehen. Zum einen soll ein musealer Erinnerungsort die unterschiedlichen Seiten der Geschichte von Heinkel differenziert beleuchten. Zum anderem sollen im Freiraum Objekte oder Installationen die Historie erlebbar machen. Das mit der Planung des Wohngebietes beauftragte Architekturbüro Albert Wimmer hat dazu bereits interessante Vorschläge unterbreitet. So kö nnte eine Stelenreihe die Form der Heinkelwand nachzeichnen.

Zur Darstellung der industriellen Geschichte Rostocks im 20. Jahrhunderts und der Darstellung der Geschichte des Standortes Neptunwerft/Heinkelwerk plant das Kulturhistorische Museum Rostock einen dezentralen Standort Industriegeschichte/ Geschichte des 20. Jahrhunderts in Form einer Dokumentationsstätte am historischen Ort. Die Darstellung von Stadtgeschichte am historischen Ort trägt dabei zur Prägung von Identität und Wahrung von Erinnerung bei. In Hinblick auf die Geschichte der Luftfahrtindustrie und der damit in Verbindung stehenden Rüstung eignet sich der Stadtraum auf dem Gelände des ehemaligen Heinkel-Standortes am Werftdreieck wegen seiner besonderen Geschichte in besonderer Weise.

Mit der Einrichtung einer Dokumentationsstätte als Außenstelle des Kulturhistorischen Museums Rostock besteht die Möglichkeit, in der Verbindung von historischem Ort und dokumentierender Ausstellung nicht nur ein stadtgeschichtliche Darstellung zu platzieren, sondern diese Ausstellung zugleich für Bildungszwecke zu nutzen.

Die Ausstellung könnte die Entwicklung der Luftfahrtindustrie in Rostock seit dem Ersten Weltkrieg, die technischen Errungenschaften und die Rüstungsproduktion in den Jahren des Dritten Reiches umfassen. Zugleich soll auch der Einsatz von Fremd- und Zwangsarbeitern in der Rüstungsproduktion in Rostock thematisiert werden. Für die Einrichtung einer Ausstellung als Dokumentationszentrum ist die Errichtung eines Gebäude mit rund 300 Quadratmetern Ausstellungsfläche und rund 100 Quadratmeter Seminarraumfläche für Bildungsangebote notwendig. In die Errichtung eines solchen Gebäudes könnten Originalteile der historischen Schauwand des Heinkel-Werkes einbezogen werden.

Lassen Sie mich an dieser Stelle auch heute noch einmal darauf hinweisen: Auch zahlreiche andere Gebäude und Orte in unserer Stadt erinnern noch heute an dieses Kapitel unserer Stadtgeschichte. Betrachten wir es daher als unsere gemeinsame Aufgabe, es weiter aufzuarbeiten und die Erinnerung an diese zeit und ihre Folgen wach zu halten!

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Vermittlung von Geschichte ist auch ein Kernthema im 500. Jahr der Reformation. Rostock war nicht nur das geistige Zentrum der Reformation in Mecklenburg, sondern wurde schon in den 1520er-Jahren zu einem außerordentlichen Multiplikator reformatorischen Gedankengutes. Dies ist einem der ersten evangelischen Prediger in Rostock zu verdanken – Joachim Slüter. Er gab bereits 1525 ein evangelisches Gesangbuch und
1526 ein Gebetbüchlein heraus, die, beide in niederdeutscher Sprache abgefasst, die ältesten Zeugnisse ihrer Art überhaupt sind. Vor allem das Gesangbuch wurde zu einem Bestseller und weit über die Grenzen Mecklenburgs verbreitet. Kirchenlieder aus Rostock prägten den evangelischen Gemeindegesang in Schweden und Dänemark, aber auch in England und Lettland.

In Kooperation von Stadtverwaltung, Evangelisch-Lutherischer Kirche und Universität entstand ein vielfältiges Veranstaltungsangebot. So wird im Kulturhistorischen Museum die Ausstellung „Das Netz des neuen Glaubens. Rostock, Mecklenburg und die Reformation im Ostseeraum“ gezeigt. Besonderer Anziehungspunkt der Exposition im Kloster zum Heiligen Kreuz wird das Bild von Bernhard Reinhold „Slüters Reformationspredigt in Rostock" aus dem Jahr 1858. Die Ausstellung in dem Gemäuer des erst Jahrzehnte später säkularisierten Klosters wird vom 7. Juli bis 5. November 2017 zu sehen sein. Am Abend der Eröffnung der Ausstellung am 6. Juli 2017 wird das Schauspiel „Leben und Sterben des Kaplans Joachim Slüter zu Rostock“ von Holger Teschke uraufgeführt.

Mit etwa 70 Veranstaltungen und zahlreichen besonderen Führungsangeboten reiht sich die Hansestadt Rostock in die deutschlandweit stattfindenden Feierlichkeiten rund um das 500. Reformationsjubiläum ein. Rostock wurde 1531 evangelisch und entwickelte sich schnell zum geistigen Zentrum der Reformation in Mecklenburg. Maßgeblicher Wegbereiter in der Hansestadt war der Prediger Joachim Slüter. Rostock war ein wichtiger Ort für die Reformation im Norden. Wir wollen auch in Rostock an diese Zeit vor nunmehr fünf Jahrhunderten erinnern.

Meine Damen und Herren,

auch wenn das Wetter noch nicht durchgängig auf „Sommer“ umgeschaltet hat: In diesen tagen können wir wieder Tausende Besucherinnen und Besucher in unserer Stadt willkommen heißen. Da passt es wunderbar, dass seit dem 23. Mai in Warnemünde, Hohe Düne und Markgrafenheide wieder die „Blauen Flaggen“ wehen. Sie sind das erste internationale Umweltsymbol und werden in 50 Ländern vergeben. Die Blaue Flagge ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal. Die Einschätzung der Wasserqualität erfolgt dabei nach den anspruchsvollen Regeln der EU-Badewasserrichtlinien. Um die Qualität während der gesamten Sommersaison sicherzustellen, wird die Wassergüte im Rahmen der Zertifizierung bis September regelmäßigen Prüfungen unterzogen.

Die Hansestadt kann sich aufgrund der hervorragenden Bedingungen in ihren Seebädern mit drei Flaggen schmücken. So wird je eine Fahne am Hauptrettungsturm in Warnemünde, am Weststrand sowie Markgrafenheide-Strand gehisst. Die Absicherung des Badebetriebes, als ein weiteres wichtigeres Kriterium, wird in diesem Jahr erneut durch den engagierten Einsatz der Rettungsschwimmer von der DRK-Wasserwacht gewährleistet.

Sehr geehrte Damen und Herren,

in der kommenden Woche starten wir wieder mit einem von drei Vereinen gemeinsam organisierten Stadtrundgang in das neue Jahr Rostocks. Es wird das 800. Jahr seit der Stadtrechtsbestätigung am 24. Juni 1218 sein. Um auf unser ganz besonderes Doppeljubiläum 2018/2019 hinzuweisen, organisiert das Team „Stadtjubiläum“ bereits jetzt, zum 799. Geburtstag, ein Sommerfest für alle Einwohnerinnen und Einwohner, Besucherinnen und Besucher auf dem Neuen Markt. Am Mittwoch, 21. Juni 2017, in der Zeit von 14.30 bis etwa 18.30 Uhr wird eine Vielzahl an Attraktionen geboten, die die ganze Familie ansprechen sollen.

Drei Rostocker Bands der „Fête de la musique“ werden die Bühne für ihre Auftritte nutzen, bevor ESCO, die Gewinner des Bandcontests „Sing deinen Song für Rostock“, ihren Siegersong „Mehr als nur gewöhnlich“ zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit präsentieren werden. Einen Vorgeschmack auf das Veranstaltungshighlight zum 800-jährigen Stadtjubiläum, das „Karat-meets-Classic“-Konzert, gibt es um 16 Uhr. Die Band-Mitglieder Bernd Römer und Christian Liebig werden den offiziellen Kartenvorverkauf für das Konzerthighlight am 24. Juni 2018 in der StadtHalle Rostock starten und dabei für Autogrammwünsche zur Verfügung stehen.

Die zentrale Aktion des Tages, die alle Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung mit einbezieht, startet um 17 Uhr. Aus 799 Menschen soll eine „800“ geformt werden, die dann von oben aus mit einer Drohne fotografiert wird. Die mit Helium befüllten Ballons werden auf ein Zeichen gestartet und schweben in den Rostocker Abendhimmel. Das Foto soll u.a. im bald erscheinenden MERIAN-Heft „Rostock“ zu sehen sein. An die „800“ schließt sich ein weiterer Höhepunkt an, der die Vorfreude auf 2018 steigern und ein sichtbares Zeichen für alle setzen soll: Eine Countdown-Uhr am Rathaus wird gestartet und zählt die verbleibenden 368 Tage bis zum offiziellen Stadtgeburtstag am 24. Juni 2018 herunter.

Das Fest richtet sich an alle Rostockerinnen und Rostocker und appelliert an die Zusammengehörigkeit als Menschen in unserer Stadt.
Daher lade ich Sie alle recht herzlich ein, am 21. und am 24. Juni dabei zu sein und diese ganz besonderen Höhepunkte im Vorfeld unseres Doppeljubiläums gemeinsam mit uns zu gestalten!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Rostock - 14.06.2017
Text: Pressestelle Universitäts- und Hansestadt Rostock