Medizinische Fachkräfte im ländlichen Raum


Werben für medizinische Fachkräfte im ländlichen Raum

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU): Attraktive Berufsmöglichkeiten aufzeigen – Unterstützung für den Bau von Gesundheitszentren – größerer Bedarf an hausärztlichen Behandlungen

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe hat am Freitag in Neustrelitz und Mirow für mehr medizinische Fachkräfte im ländlichen Raum geworben. „Zu den Herausforderungen in unserem Bundesland zählen die flächendeckende Erreichbarkeit einer qualitativ hochwertigen medizinischen Versorgung sowie die Fachkräftegewinnung vor allem im ländlichen Raum. Als Flächenland stehen wir vor besonderen Aufgaben, diese Herausforderungen zu bewältigen. Wir werben für attraktive Berufsmöglichkeiten auf dem Land“, sagte der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit Harry Glawe. Anlass war die „Landpartie“ der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KVMV).

Größerer Bedarf an hausärztlichen Behandlungen

In den ländlichen Regionen Mecklenburg-Vorpommern werden Hausärztinnen und Hausärzte zunehmend gesucht. „Diese Situation wird dadurch schwieriger, dass angesichts der demografischen Entwicklung mit zunehmendem Behandlungsbedarf pro Einwohner und damit auch mit größerem Bedarf an hausärztlichen Behandlungen zu rechnen ist“, so Glawe weiter. Die Bedarfsplanung wird von der Kassenärztlichen Vereinigung umgesetzt (KVMV). In Mecklenburg-Vorpommern praktizieren nach Angaben der KVMV momentan etwa 1.200 Hausärzte. 35 Prozent sind zwischen 50 und 59 Jahre alt und gehen voraussichtlich in sechs bis 15 Jahren in den Ruhestand.

Unterstützung für den Bau von Gesundheitszentren

Glawe sprach sich vor Ort für den Bau von Gesundheitszentren aus. „Wichtig ist es, dass die Zentren verschiedene ambulante Versorgungsaspekte berücksichtigen. Wohnortnahe, komplexe ambulante Versorgungsstrukturen können mit zusätzlicher mobiler Leistungserbringung eine Verbesserung in der Versorgung darstellen. Darüber hinaus wächst auch das Bedürfnis der angehenden Ärzte, im Angestelltenverhältnis tätig zu werden“, sagte Glawe. In Friedland soll mit finanzieller Unterstützung durch das Land und europäischen Fördermitteln ein Gesundheitszentrum errichtet werden, dass neben der hausärztlichen Versorgung auch geriatrische Patienten inklusive bei der Palliativ-Geriatrie sowie chronisch kranke Patienten betreut und gleichzeitig Bürgerinnen und Bürger und Patienten in der Primär- und Sekundärprävention betreut. Das Wirtschaftsministerium und das Landwirtschaftsministerium stellen aus den Mitteln des LEADER-Programms insgesamt sieben Millionen Euro für den Bau oder Ausbau von Gesundheitszentren in Gemeinden und Städten zur Verfügung.

Wunsch, in Gemeinschaftspraxen zu arbeiten, wächst

Das „Berufsmonitoring Medizinstudierende 2018“, eine bundesweite Befragung von über 13.000 Medizinstudierenden, die seit 2010 durch die Kooperation der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Uni Trier sowie des Medizinischen Fakultätentages und der Bundesvereinigung der Medizinstudierenden ermöglicht wird, hat ergeben, dass etwa 95 Prozent der Medizinstudierenden die Vereinbarkeit von Familie und Beruf als den wichtigsten Anspruch an das Berufsleben als Ärzte nennen. Bei dem Wunsch nach einer eigenen Praxis sind die Zahlen von 60,3 Prozent in 2014 auf 53,4 Prozent in 2018 deutlich zurückgegangen. Mehr als die Hälfte der Befragten würden dabei Gemeinschaftspraxen bevorzugen. „Ein großer Teil der angehenden Medizinerinnen und Mediziner würde eine ärztliche Praxis in der Nähe des Heimatortes bevorzugen. Familie und soziales Umfeld sind offenbar immer wichtiger für Medizinstudierende als die Anziehungskraft von Metropolen. Das Potential der ausgebildeten Ärzte müssen wir noch besser nutzen, um sie für den ländlichen Raum zu gewinnen“, machte Glawe deutlich.

Maßnahmen zur Gewinnung von medizinischem Personal

Glawe machte auf verschiedene Unterstützungsmöglichkeiten aufmerksam, um medizinisches Personal für den ländlichen Raum zu gewinnen. „Ein Landarztgesetz ist in der Erarbeitung. Bei dem Gesetz geht es darum, durch eine Vorabquote Studierwilligen eine größere Chance auf einen Studienplatz zu geben“, sagte Glawe. Diese verpflichten sich nach ihrer Aus- und Weiterbildung, eine Tätigkeit als Hausarzt oder Arzt im Öffentlichen Gesundheitswesen in Mecklenburg-Vorpommern für mindestens zehn Jahre aufzunehmen. Darüber hinaus sind Stipendien für Studierende aufgelegt worden, die sich verpflichten, nach ihrer Weiterbildung für einige Jahre im Land als Ärztin oder als Arzt tätig zu werden.

Unterstützung für Medizinstudierende im Praktikum bei Hausärzten

Medizinstudierende in Mecklenburg-Vorpommern, die einen Teil ihres Praktischen Jahres in einer niedergelassenen allgemeinmedizinischen Praxis absolvieren, erhalten zukünftig während dieser Zeit eine weitere finanzielle Unterstützung. Studierende der Medizin in Mecklenburg-Vorpommern können während eines Tertials des Praktischen Jahrs in niedergelassenen allgemeinmedizinischen Praxen eine finanzielle Unterstützung von 200 Euro pro Monat erhalten. Bei Einsätzen in Praxen, die außerhalb der Universitätsstädte Greifswald und Rostock liegen, haben Studierende die Möglichkeit, eine zusätzliche Unterstützung in Höhe von 800 Euro pro Monat zu erhalten. Die Förderung ist auf 16 Wochen begrenzt.

Im Bereich der Weiterbildung gibt es Weiterbildungsverbünde, die es den Teilnehmern erleichtert, nahtlos ihre einzelnen Stationen der Weiterbildung ohne Zeitverlust nacheinander zu absolvieren. An den Lehrstühlen für Allgemeinmedizin wurde ein Kompetenzzentrum für Allgemeinmedizin geschaffen, das die Qualität der Weiterbildung verbessern und den jungen Ärzten den Einstieg in den Hausarztberuf erleichtern soll. Neben der Niederlassung können sich junge Ärzte von Medizinischen Versorgungszentren oder auch Gemeinden anstellen lassen, wenn sie nicht gleich nach der Facharztweiterbildung eine eigene Niederlassung anstreben. „Auch muss heute kein Arzt mehr dort wohnen, wo die Praxis betrieben wird - durch den Wegfall der Residenzpflicht können Praxissitz und Wohnsitz unterschiedlich sein. Das kann den Medizinern dabei helfen, Familie und Beruf noch besser zu vereinbaren“, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe abschließend.

Schwerin - 10.05.2019
Quelle: Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Gesundheit