Stadtbibliothek feiert 125. Geburtstag


Greifswald feiert 125. Geburtstag Hans Falladas mit einer Festwoche vom 14. – 21. Juni 2018 – Sohn liest aus bislang unveröffentlichten Briefen

Hans Fallada wurde als Rudolf Ditzen am 21. Juli 1893 in Greifswald in der Steinstraße 58 geboren. Er verbrachte seine ersten fünf Lebensjahre in Greifswald. 1924 kehrte er in die pommersche Universitätsstadt zurück, um in der Haftanstalt eine Strafe zu verbüßen. Als Schriftsteller benannte er sich nach Hans im Glück und dem geschundenen Schimmel Falada aus dem grimmschen Märchen, dessen abgeschlagener Kopf die Wahrheit spricht. Die Greifswalder Stadtbibliothek trägt seit 1993 den Namen Hans Fallada.

Anlässlich seines 125. Geburtstags findet vom 14. bis 21. Juni die Hans-Fallada-Festwoche in Greifswald statt. „Wir nehmen das Jubiläum zum Anlass, um nicht nur den Schriftsteller Fallada vorzustellen, sondern auch den Menschen mit all seinen Höhen und Tiefen“, erläutert die Leiterin der Stadtbibliothek Anja Mirasch das umfangreiche Programm in der Stadtbibliothek, im Fallada-Haus, im Pommerschen Landesmuseum und St. Spiritus. „Die Festwoche bietet dafür zahlreiche Gelegenheiten mit inszenierten Lesungen, Vorträgen, Filmvorführungen und einer besonderen Ausstellung.“

Die Festwoche wird am Freitag, 15. Juni um 18 Uhr durch den Oberbürgermeister Dr. Stefan Fassbinder im Gewölbe der Stadtbibliothek eröffnet. Im Anschluss wird der Berliner Illustrator Jakob Hinrichs seine Graphic Novel zu Falladas Roman „Der Trinker“ vorstellen. In „Der Trinker“ erzählt Fallada die Geschichte seiner Alkoholsucht, seiner persönlichen Krisen und Demütigungen. Die Graphic Novel, die Jakob Hinrichs zu Falladas Roman zeichnete, wurde 2016 von der Stiftung Buchkunst zu einem der schönsten deutschen Bücher gewählt. Bis zum 11. September sind Hinrichs Originalzeichnungen und Entwürfe in der Stadtbibliothek zu sehen.

Einen sehr authentischen Blick auf den Menschen Hans Fallada bietet die Lesung seines Sohnes Achim Ditzen am 17. Juni um 19:30 Uhr im Fallada-Haus. Achim Ditzen liest aus bislang unveröffentlichten Briefen Falladas von 1928 bis 1946 an seine Schwestern, in denen sich das wechselvolle Leben des Schriftstellers und zugleich 20 Jahre bewegte deutsche Geschichte wiederspiegeln.

Die Biographie „Hans Fallada: Mit Größe am Leben gescheitert.“ wird Peter Walther, einer der besten Kenner Falladas, am 18. Juni um 19:30 in der Stadtbibliothek vorstellen.

Zeitlebens war Fallada von Süchten getrieben. Die Euphorie des Rausches und den Absturz danach beschreibt er schonungslos und drastisch in seinem „Sachlichen Bericht über das Glück, ein Morphinist zu sein“. Felix Meusel, Schauspieler am Theater Vorpommern, liest in der Reihe KünstlerLesen Auszüge aus dem Buch. (21.6., 19:30 Uhr, Stadtbibliothek).

Zu einer Zeitreise lädt Jo van Nelsen am 16. Juni um 19:30 im St. Spiritus mit seiner Grammophon-Lesung „Kleiner Mann was nun?“ ein. Jo van Nelsen präsentiert in seiner Grammophon-Lesung die schönsten Passagen von Falladas Roman, garniert mit Musik der Dreißiger Jahre. Natürlich von Originalschellackplatten, gespielt vom roten Koffergrammophon, und vielen Postkarten und Plakaten dieser Zeit.

Die internationale Neuverfilmung des Fallada-Romans „Jeder stirbt für sich allein“ 2016 mit Emma Thompson und Daniel Brühl löste eine Falladas-Renaissance aus. Das Pommersche Landesmuseum zeigt den Film im Rahmen des Nordoststreifens am 14. Juni um 21 Uhr.

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Roman Falladas ist Gegenstand des Vortrags von Dr. Roland Ulrich am 19. Juni um 19:30 Uhr in der Stadtbibliothek mit dem Titel „Die Ambivalenz des Widerstands bei Fallada im Roman „Jeder stirbt für sich allein“ (1946/1947).

Fallada als liebevollen Familienmenschen zeigen seine bekannten Geschichten vom Mäuseken Wackelohr, Hoppelpoppel oder dem Nuschelpeter. Nur wenn seine eigenen Kinder von den Geschichten begeistert waren, wurden sie veröffentlicht.

Josefine Schönbrodt und Jan Maria Meissner lesen und spielen am 16. Juni um 10:30 Uhr in der Stadtbibliothek mit viel Musik „Hoppelpoppel wo bist Du?“ und andere Kindergeschichten von Hans Fallada. Die Stadtbibliothek bietet außerdem Veranstaltungen zu Mäuseken Wackelohr und Einführungen zu Leben und Werk Falladas für Schulklassen an.

In der Zeit vom 28. Mai bis 6. Juli zeigt die Zentrale Universitätsbibliothek Greifswald am Beitzplatz einen Querschnitt der Werke Hans Falladas. In den Tischvitrinen in der Eingangshalle werden Erstauflagen sowie Übersetzungen ausgestellt.

„Komm, ins Offene!“ – heißt es am 13. Oktober, wenn Dr. Frauke Fassbinder in Kooperation mit dem Koeppenhaus und dem Pommerschen zu einer Exkursion ins Hans-Fallada-Museum in Carwitz einlädt.

Weitere Informationen zum Programm der Hans-Fallada-Festwoche unter www.stadtbibliothek.greifswald.de

Greifswald - 15.05.2018
Quelle: Pressestelle Universitäts- und Hansestadt Greifswald