Auf die Bretter - fertig, los


Zehn Neue an der Theaterakademie


„Horch, was kommt von draußen rein?“ sang der Chor der Theaterakademie Vorpommern mit augenzwinkerndem Hintersinn im gelben Theater „Die Blechbüchse“ in Zinnowitz zur Immatrikulation des neuen ersten Studienjahres. Und da waren sie - zehn junge Damen und Herren aus Sachsen, Berlin, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und Barth. Und in diesem Jahr, erstmalig in der Geschichte der Schule, die es seit 2000 gibt, sind die jungen Männer in der Überzahl – sieben Jungen treffen auf drei Mädchen. Wolfgang Bordel, Intendant der Vorpommerschen Landesbühne begrüßte die Neuen und beglückwünschte sie zu ihrer „tapferen und mutigen Entscheidung“ Schauspieler werden zu wollen. Auf den Brettern, die Welt bedeuten gehe es um nicht weniger als von Vergangenheit, Gegenwart und der Zukunft zu erzählen, Visionen zu entwickeln. Und es gehe darum, diese Bretter, spricht die Theater, überhaupt zu erhalten. Große Worte, die manchmal sein müssen. Konkret stehen die jungen Leute nun vor ihrer vierjährigen Lehre als Schauspieler, bei der sie sowohl Theorie lernen als auch gleich auf der Bühne stehen und vor großem Publikum spielen werden. Eine deutschlandweite Einmaligkeit der Theaterakademie Vorpommern. Abgeschaut vom großen Theatermann Max Reinhardt, der 1905 am Deutschen Theater Berlin eine solch duale Ausbildung für sein Haus praktiziert hatte.

Theaterakademie

(Foto: Privat)


So schön und feierlich die Immatrikulation auch war, die Eleven sind schon ein wenig im Theateralltag angekommen. Seit einigen Tagen proben sie für das Märchen „Die Prinzessin und der Schweinehirt“ nach Hans-Christian Andersen. Hier besinnt sich die Akademie auf eine eigene Tradition, nämlich gleich zu Beginn – und nicht erst am Ende des 1. Studienjahres eine Produktion mit den Neuen einzustudieren. Am 11.11. ist am Ort der Immatrikulation, im gelben Theater „Die Blechbüchse“, Premiere. Praktisch Hand in Hand mit der Immatrikulation ging die Exmatrikulation, des 4. Studienjahres der Theaterakademie. Auch hier trifft „Horch, was kommt von draußen rein“ ganz gut, denn elf fast fertig ausgebildete Schauspieler drängen massiv auf die Bühne, gehen ins berufspraktische Jahr an die Vorpommersche Landesbühne, um sich mit Hilfe der erfahrenen Ensemble-Mitgliedern des Hauses gewissermaßen in der Praxis den letzten Schliff für den Beruf zu holen. Schon in den nächsten Premieren der Vorpommerschen Landesbühne stehen ihre Namen auf den Besetzungszetteln. Marc Robin Östreich und Momo Böhnke bei „Ich will Spaß oder Wo bitte ist die Fernbedienung“, Hannah Ostermmeier und Paul Gräntzel übernehmen die Rolle von Lämmchen und Pinneberg in „Kleiner Mann - was nun?. Die Erstbesetzung spielten hier Tracy Neumann und Richard Koppermann, die inzwischen an Theatern in Berlin und Bautzen arbeiten. Und auch bei Molieres „Der Geizige“ sind sie präsent. Das Publikum kann sich also auf eine neue Generation von Schauspielern freuen.

Anklam - 16.10.2018
Quelle: Claudia Winter