Gesundheitsforschung


Land fördert fünf weitere Verbünde

Ministerin Birgit Hesse (SPD): Mecklenburg-Vorpommern ist ein attraktiver Wissenschaftsstandort

Die Entscheidung ist gefallen: Eine Fachjury hat weitere Forschungsverbünde ausgewählt, die eine Förderung aus dem Exzellenzforschungsprogramm des Landes erhalten. Nach dem 2. Wettbewerbsaufruf zum Thema „Gesundheitsforschung“ waren 21 Projektskizzen eingegangen, fünf haben sich durchgesetzt. Wissenschaftsministerin Birgit Hesse betonte die Signalwirkung des Förderprogramms: „Sich in diesem Wettbewerb durchzusetzen, ist für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Bestätigung und Ansporn zugleich. Mit dem Programm wollen wir zeigen, dass Spitzenforschung in Mecklenburg-Vorpommern ein Zuhause hat und unser Land ein attraktiver Standort ist, um wissenschaftlich zu arbeiten. Ich freue mich besonders darüber, dass sich die Hochschulen untereinander und die außeruniversitären Forschungsinstitute zusammengeschlossen haben und gemeinsam forschen wollen.“

Mit der Förderempfehlung übermittelte der Jury-Vorsitzende Prof. Dr. Ernst Theodor Rietschel seine Einschätzung der aktuellen Wettbewerbsrunde: „Insgesamt war die Qualität der im Rahmen der Ausschreibung eingegangenen Projekte außerordentlich gut. Als wissenschaftliche Qualitätsmerkmale des Landes Mecklenburg-Vorpommern werden die Forschungsprojekte sicherlich auch grenzüberschreitend wahrgenommen. Durch die starke Konkurrenz und den minimalen Qualitätsunterschieden fiel es der Jury am Ende der Begutachtungsphase nicht leicht, fünf Verbünde für die Förderung auszuwählen.“

Die Förderung von Projekten zur Gesundheitsforschung geht auf eine Initiative des Kuratoriums für Gesundheitswirtschaft zurück. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Wissenschaftsministerin Birgit Hesse und der Präsident des Kuratoriums, Prof. Wolfgang Schareck, hatten den Wettbewerb im vergangenen Jahr gestartet. Insgesamt stehen Fördermittel in Höhe von 10 Millionen Euro zur Verfügung. Die Förderung erfolgt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) in der laufenden Förderperiode 2014 bis 2020.

Die Mittelverteilung für die Gesundheitserforschung ergibt sich wie folgt: Die Universität und Universitätsmedizin Rostock sollen insgesamt ca. 4,6 Mio. Euro erhalten. An die Universität und Universitätsmedizin Greifswald sollen ca. 3,3 Mio. Euro fließen. Den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern sollen ca. 2,1 Mio. Euro aus dem Programm zu Gute kommen. Die Verbünde müssen nun ihre vollständigen Förderanträge einreichen. Mit dem Exzellenzforschungsprogramm will das Land die Spitzenforschung stärken.

Ausgewählte Vorhaben

1. Universitätsmedizin Greifswald, Universitätsmedizin Rostock, Hochschule Neubrandenburg, Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf

„Enterale Ernährung bei Malnutrition durch Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts: vom Grundlagenverständnis zum innovativen Behandlungskonzept (EnErGie)“

Team um Prof. Dr. Georg Lamprecht

Auszug aus dem Juryvotum:
„[Im] Verbundprojekt soll durch mechanistische Studien das pathophysiologische Verständnis der Zusammenhänge zwischen Malnutrition [Mangelernährung], Sarkopenie [Muskelschwund] und unterschwelliger systemischer Entzündung verbessert und vertieft werden (…). Die Jury findet die Präsentation des Verbundes hinsichtlich der wissenschaftlichen Qualität und Innovation sehr überzeugend und folgt dabei der Einschätzung der drei Fachgutachter, die das Vorhaben mit exzellent bewertet haben. Das Qualifikationskonzept für die Nachwuchswissenschaftler ist sehr überzeugend, sozialwissenschaftliche Aspekte des Forschungsansatzes sind explizit in die klinische Forschung einbezogen und auch Fragen zur Nachhaltigkeit und wirtschaftlichen Anwendung berücksichtigt.“

2. Universitätsmedizin Greifswald, Universitätsmedizin Rostock, Universität Rostock und Leibniz-Institut für Plasmaforschung und Technologie Greifswald

„Entwicklungsplattform für innovative onkologische Therapien am Beispiel des häufigsten menschlichen Krebses – Hautkrebs (ONKOTHER-H)“

Team um Prof. Dr. Steffen Emmert

Auszug aus dem Juryvotum:
„Das Thema ist hochaktuell und in dieser Form der Darbietung und in der beschriebenen Konsortiumsstruktur einmalig mit sehr hohem Alleinstellungsmerkmal. Die Projektpartner verfügen über umfangreiche und international ausgewiesene Erfahrungen auf den jeweiligen Gebieten (…). Das Verbundprojekt zielt darauf ab, eine neue, umfassend untersuchte Kombinationstherapie für das kutane Melanom und/oder das Plattenepithelkarzinom nach Ende der Projektlaufzeit mittels einer Erfindungsmeldung erfolgreich patentieren zu lassen. Spätere wirtschaftliche Aktivitäten nach Projektlaufzeit scheinen erfolgsversprechend.“

3. Universitätsmedizin Greifswald, Universitätsmedizin Rostock, Universität Rostock, Hochschule Wismar und Fraunhofer-Projektgruppe Extrakorporale Immunmodulation Rostock

„Erforschung neuartige Ansätze zur Bereitstellung verbesserter Gewebeersatzmaterialien auf Basis der hydrostatischen Hochdruckbehandlung (HOGEMA)“

Team um Prof. Dr. Rainer Bader

Auszug aus dem Juryvotum:
„Im vorgestellten Projekt wird ein innovativer Ansatz mittels schonender Hochdruckbehandlung zur Devitalisierung von Spendergewebe fokussiert. Diese neuartige Technologie soll die Behandlung von Gewebedefekten mit allogenem Transplantatgewebe ermöglichen und dazu genutzt werden, neue Perspektiven für die Aufbereitung von humanen Allografts aus Stütz- (Knochen, Knorpel) und Bindegewebe (Faszie) zu schaffen. Das interdisziplinär sehr gut aufgestellte Konsortium bearbeitet ein Thema mit hoher medizinischer Relevanz. (…) Mit den jetzigen Partnern besteht die Möglichkeit, das Thema bzw. die Technologie weiter voranzutreiben und auszubauen, so dass die Gruppe ein nationales (evtl. auch internationales) Alleinstellungsmerkmal erreichen kann.“

4. Universitätsmedizin Greifswald, Universitätsmedizin Rostock, Universität Rostock und Leibniz-Institut für Nutztierbiologie Dummerstorf

„Programmierte Herzschrittmacherzellen zur in vitro Medikamententestung (iRhythmics)“

Team um Prof. Dr. Robert David

Auszug aus dem Juryvotum:
„Die Stärken des Forschungsvorhabens liegen in der wissenschaftlichen Kompetenz der einzelnen Partner sowie deren exzellente Synergie, die durch die geplante Vernetzung entsteht. Dadurch wird ein Forschungsverbund aufgebaut, der nahezu ein weltweites Alleinstellungsmerkmal erreichen kann. (…) Eine weitere Stärke ist die geplante Anwendung komplementärer, paralleler Ansätze und Technologien sowohl bei der Gewinnung der schrittmacherartigen Zellen als auch bei deren Analyse.“

5. Universitätsmedizin Greifswald, Universität Greifswald, Hochschule Neubrandenburg

„Präventionsnetzwerk Vorpommern: Psychosoziale und neurobiologische Gesundheit von Schwangeren und jungen Müttern (PriVileG-M)“

Team um Prof. Dr. Hans Jörgen Grabe

Auszug aus dem Juryvotum:
„Die gesellschaftliche Relevanz der aufgezeigten Fragestellung ist nach Auffassung der Jury sehr hoch und der vorgestellte wissenschaftliche Ansatz überzeugt hinsichtlich seiner Qualität. Psychologische Erkrankungen von Schwangeren können verschiedene Ursachen haben und wirken prägend auf das ungeborene Kind. (…) Die Zusammensetzung des Konsortiums überzeugt und die Erreichung eines Alleinstellungsmerkmales ist aus Sicht der Jury für Mecklenburg-Vorpommern gegeben und auch auf Bundesebene möglich.“

Schwerin - 12.04.2018
Quelle: Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur