Ein Jahr nach Waldbrandkatastrophe


Ein Jahr nach Waldbrandkatastrophe zieht Minister Dr. Till Backhaus (SPD) positive Bilanz

Anlässlich der Inbetriebnahme eines Tiefenbrunnens bei Alt Jabel erinnerte Agrar- und Umweltminister Dr. Till Backhaus an den Waldbrand von Lübtheen vor genau einem Jahr. „Es ist uns damals mit vereinten Kräften gelungen, den Waldbrand einzudämmen und die ganz große Katastrophe abzuwenden. Niemand ist ernsthaft zu Schaden gekommen, auch konnten wir das Hab und Gut der Menschen vor den Flammen schützen.“

„Seitdem hat sich einiges in Sachen Waldbrandschutz getan“, zieht der Minister eine erste positive Bilanz. So seien beispielsweise beidseits der rund 35 km langen Ringstraße bestockungsfreie Wundstreifen angelegt worden, die zukünftig ein Feuer stoppen bzw. die Waldbrandbekämpfung erleichtern sollen. Auch habe man den Waldumbau weiter vorangetrieben und vor kurzem mit dem Bau der Löschwasserentnahmestellen begonnen. Entlang der sogenannten Ringstraße werden aktuell insgesamt 13 bis zu 50 m tiefe Brunnen gebohrt, die zur Förderung von 50 m3;/h geeignet sein sollen. „Wir sind optimistisch, dass damit das Problem der Löschwasserversorgung bei Brandereignissen zukünftig weitestgehend behoben ist“, so Backhaus.

Damit habe man in wirklich kurzer Zeit bereits wichtige Etappenziele erreichen können. „Wir sind auf einem guten Weg. Das hätte so schnell sicher niemand für möglich gehalten. Deshalb danke ich allen Beteiligten nochmals für ihr Engagement und das hervorragende behördenübergreifende Zusammenwirken“, zeigte sich der Minister zufrieden. Die Mittel für präventive Waldbrandschutzmaßnahmen wurden massiv aufgestockt. Im Jahr 2019 wendete das Land MV rund 2,5 Millionen Euro dafür auf – ein Plus gegenüber 2018 von rund 1,5 Millionen Euro. In den Jahren 2020 bzw. 2021 sind 3,05 bzw. 3,24 Millionen Euro für den präventiven Waldbrandschutz vorgesehen.

„Ich hoffe natürlich, dass sich eine solche Waldbrandkatastrophe niemals wiederholt. Deshalb werden wir weiterhin mit Hochdruck daran arbeiten, um im Fall aller Fälle besser gewappnet zu sein als 2019“, betonte der Minister. Insbesondere mit Blick auf die hohe Kampfmittelbelastung und die zunehmenden extremen Witterungssituationen in Folge des Klimawandels bleibe dies eine enorme Herausforderung, der man sich jedoch gemeinsam stellen werde.

Hintergrund:

Auf Initiative des Landwirtschaftsministers hat die Landesregierung nach dem Brand eine interministerielle Arbeitsgruppe ins Leben gerufen mit dem Auftrag, ein Waldbrandschutzkonzept zu erarbeiten.

Ein Teil des Konzeptes besteht aus den Waldbrand-Präventionsmaßnahmen. Ein wesentlicher Aspekt ist das schnelle Erkennen und Verorten von Waldbränden im Rahmen eines geeigneten Branderkennungssystems. Dafür zuständig ist die Waldbrandeinsatzzentrale in Mirow, die mit Hilfe eines automatisierten kameragestützten Systems die Waldbrände früh erkennt und sich mit den Leitstellen in Verbindung setzt.

Darüber hinaus wurde ein Forschungsprojekt für die Erarbeitung, Optimierung und Umsetzung von Präventions- und Nachsorgestrategien zum Schutz der Wälder gegen Waldbrände ins Land geholt. Mit dem Projekt wird ermöglicht, die vorhandene Vorgehensweise zu evaluieren und die sich ändernden Rahmenbedingungen anzupassen. Im Rahmen des Projekts sollen Maßnahmen, Beispiels- und Schulungsobjekte, Leitfäden und Lehrmaterialien entwickelt werden mit den Schwerpunkten: Waldbrandprävention, Waldbrandnachsorge, Waldbrandsituation auf munitionsbelasteten Flächen und kontrolliertes Brennen für Naturschutz- und Waldbrandschutzzwecke.

Das fünfjährige Projekt startete am 1.5.2020 und wird mit 2,56 Mio. Euro aus Mitteln des Waldklimafonds finanziert. Damit soll auch das Fundament für die fachliche Erarbeitung und Untersetzung des neu zu gründenden Fachzentrums für Waldbrandschutz gelegt werden. Das Forstamt Kaliß soll als aufgabenverstärktes Forstamt sich mit einem Fachzentrum/Kompetenzzentrum für Waldbrandschutz dieser Thematik eingehend befassen und dafür Sorge tragen, dass das Wissen zum Waldbrandschutz in die Fläche getragen wird.

Schwerin - 30.06.2020
Quelle: Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt


Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD): Wir haben die Lehren aus dem Brand gezogen

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig hat bei der Übergabe eines Löschwasserbrunnens in Alt Jabel an den verheerenden Waldbrand und dessen Folgen in der Nähe von Lübtheen im vergangenen Jahr erinnert: „Auch ich kann mich noch gut an die schlimmen Tage vor einem Jahr erinnern. Gut 1.000 Hektar Wald standen in Flammen, vier Ortschaften mussten evakuiert werden. Auch Alt Jabel gehörte dazu. Unermüdlich waren hunderte Feuerwehrleute, das THW, das DRK, Bundeswehr, Forst, Katastrophenschutz und viele Freiwillige im Einsatz, um den größten Waldbrand in der Nachkriegsgeschichte unseres Landes zu löschen, über Tage hinweg, rund um die Uhr. Ich war selbst vor Ort und habe in die erschöpften Gesichter der Helferinnen und Helfer geschaut, habe mit Anwohner gesprochen, die fast alles zurücklassen mussten. Das war eine harte Entscheidung.“

Tief berührt habe sie der Einsatz und die Solidarität aller Beteiligten, betonte die Regierungschefin. „Arbeitgeber haben unkompliziert Mitarbeiter über Tage freigestellt, Landwirte halfen bei der Wasserversorgung. Andere haben Brote geschmiert und für die Einsatzkräfte gekocht, viele haben ihre Häuser für Evakuierte geöffnet. Sie alle haben Unglaubliches geleistet. Der Einsatz hat deutlich gemacht: Wir in Mecklenburg-Vorpommern halten zusammen.“

Die Lehren aus dem vernichtenden Brand seien gezogen worden. Schwesig: „Unmittelbar nach den Bränden hat das Land zwei geländegängige Löschwagen beschafft, die zunächst beide im Landkreis geblieben sind. Eines ist inzwischen seit September 2019 in Jarmen für den Landesteil Vorpommern stationiert. In den nächsten vier Jahren werden 50 Millionen Euro für eine bessere Ausstattung der Feuerwehren investiert. Wir verbessern auch die Versorgung mit Löschwasser. Hier in der Region werden 13 Brunnen entlang der Ringstraße installiert. Darüber hinaus haben wir im Mai im Kabinett ein Waldbrandschutzkonzept verabschiedet. So stehen zum Beispiel Mittel für den Rettungswegebau und zusätzliche Kamerastandorte zur schnellen Verortung von Bränden zur Verfügung.“ Hinzu kommen noch Bundesmittel in Höhe von 146 Millionen Euro für die Erkundung und Beräumung auf Bundesflächen im Land. Während der Veranstaltung wurde auch ein Feuerwehreinsatzfahrzeug an den Landkreis übergeben.

Schwerin - 30.06.2020
Quelle: Staatskanzlei / Ministerpräsidentin